Lernen mit Mnemotechniken

      Lernen mit Mnemotechniken

      Hier eine Sache, die mich persönlich sehr interessiert: Alternative Erinnerungs- und Merkmethoden, die primär auf dem Prinzip der starken Assoziationsfähigkeit des Gehirns aufbauen, sowie dem Umstand, dass das menschliche Hirn viel besser in Bildern denkt, als in Worten bzw. blanken Fakten. Vielleicht habt ihr schon einmal davon gehört oder gelesen - gerade Krimifans könnte es interessieren, da einige große Detektive und Intellektuelle aus der Literatur (so auch Sherlock Holmes und Hannibal Lecter XD) auf Mnemotechniken wie den Gedächtnispalast zurückgreifen.

      Eine Möglichkeit ist das "Storytelling", mit welchem sich sogar Formeln relativ einfach verinnerlichen lassen. Der "schwierigste" Part ist hier, sich eine Geschichte auszudenken. Als einfaches Beispiel die binomische Gleichung (a+b)² = a² + 2ab + b². Hier könnte man erzählen: "Ein Affe und ein Bär sitzen in einer quadratischen Kiste. Blickt man sogleich hinein, sieht man, dass zwischen dem Affen, der Quadratlatschen trägt und dem Bär, der einen Quadratschädel hat, zwei Ansammlungen mit Bier stehen."

      Jetzt denken einige sicher wieder "Puzzle, was hast du geraucht?", aber Fakt ist, dass es funktioniert. Vielleicht nicht im Speziellen mit dieser Geschichte von mir, sondern mit einer, die ihr euch selber dazu ausdenkt (selbst Ausgedachtes bleibt immer besser haften als fremde Informationen). Je absurder die Story, desto besser, denn auch das merkt sich viel besser für unser Gehirn, insbesondere, wenn es auch noch lustig wirken sollte. Und je lebhafter man sich die Ereignisse vor dem geistigen Auge vorstellt, sich vielleicht die Geräusche und die ganze (wenngleich wirre) Atmosphäre der Handlung zu Gemüte führt, bleibt es wesentlich besser im Langzeitgedächtnis haften. Eselsbrücken sind in den meisten Fällen sehr kurze Storytellingbeispiele.

      Der Kernpunkt ist, dass man die einzelnen Elemente der Formel durch visuelle Platzhalter ersetzt, die durch die kleine Geschichte in einen Zusammenhang gebracht werden, aus dem man sich (selbst) später wieder die Formel herleiten kann: "Ein Affe (a) und (+) ein Bär (b) sitzen in einer quadratischen Kiste ((...)²). Blickt man sogleich (=) hinein, sieht man, dass zwischen (... + ... + ...) dem Affen, der Quadratlatschen trägt (a²) und dem Bär, der einen Quadratschädel hat (b²), zwei Ansammlungen mit Bier (2ab) stehen." Ich hätte es mir mit dieser albernen Geschichte merken können; jemand anderes hingegen kann damit garnichts anfangen und hätte sich auch eine komplett andere Abfolge fiktiver Ereignisse ausgedacht, die als Erinnerung dienen. Probiert es einfach einmal aus. Ein weiteres - leicht anders strukturiertes - Beispiel gibt es hier.

      Eventuell ein Nachteil ist, dass man die Formel vom Aufbau her damit prima lernen kann; aber so hat man natürlich noch lange nicht verstanden, worum es eigentlich geht bzw. wofür die Formel steht. Die Frage ist, ob man eine entsprechende Definition ebenfalls lernen muss oder die Kenntnis der Formel selbst zur praktischen Anwendung ausreicht. Für das Lernen einer solchen Definition würden sich jedoch andere Mnemotechniken anbieten.

      Ein praktisches Beispiel für die Anwendung des Storytellings bei Einkaufslisten kann man beispielsweise auf Gerard Keegans Seite lesen, wobei diese hier zum Teil mit der Loci-Technik vereint wird. Die Loci-Technik macht sich die Vorstellung eines (realen, fiktiven oder gemischten) Ortes, eines Weges, den man abläuft oder etwas Ähnliches zu Nutze. Der Sinn liegt hier vor allem in der Reihenfolge der Dinge, die man sich merken muss. Soll man sich eine Liste von Fakten in fester Ordnung merken, kann man möglicherweise an seinen täglichen Schulweg denken und diese Fakten in einer ähnlich metaphorischen/bizarren Weise wie beim Storytelling-Beispiel weiter oben auf diesem Weg ablegen, so dass man ihn gedanklich abläuft und einem die Assoziationen wieder in Erinnerung gerufen werden.

      Das Gedächtnisschloss/Der Gedächtnispalast, wie es beispielsweise auch Holmes nutzt, ist letzten Endes genau genommen nichts weiter als die nächste Stufe der Loci-Methode: Man erschafft sich in der Fantasie ein Gebäude (das nicht zwingend ein Schloss sein muss, letzten Endes geht es darum, wie man selbst es sich am besten merken kann) mit verschiedensten Räumen, in denen man vielleicht kategorisch verschiedenste Wissensbereiche ablegen kann. Hierbei merkt man sich den Aufbau des Gebäudes und die Wege zu den verschiedenen Räumen, in welchen die eigentlichen Informationen abgelegt sind - was dann wiederum durch die Loci-Methode, Storytelling oder andere Assoziationen geschehen kann. Das Anwenden dieser Methoden mag erst einmal ungewohnt sein, hilft einem aber ungemein. Ein wenig mehr zum Gedächtnispalast bei Wikipedia, mit ein paar weiterführenden Links am Ende.

      Wie denkt ihr über solche Methoden? Nutzt ihr sie vielleicht sogar, um euch selber Dinge besser einzuprägen? Oder kommt ihr eher mit dem typischen "Auswendiglernen" zurecht, entweder weil ihr es so gewohnt seid oder es euch tatsächlich einfacher fällt?

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      Das ist ein sehr spannendes Thema. Mit den genannten Techniken habe ich mich allerdings noch nie auseinander gesetzt.
      In der Schule habe ich zum Latein-Vokalbeln lernen immer gerne Eselsbrücken erdacht. Das haben wir in der Klasse mit Freunden ab und zu auch zusammen gemacht bzw. der eine hat Eselbrücken des anderen gelegentlich auch übernommen. Da waren sehr witzige Sachen dabei. Einiges weiß ich sogar heute noch. :)

      Mit Gedächtnismethoden sollte ich mich eigentlich eh mal gründlich auseinander setzen. Mein Langzeitgedächtnis ist nicht schlecht. Wenn da mal was gespeichert ist, dann merk ich mir das auch. Aber ich hab ein sehr schlechtes Kurzzeitgedächtnis. Also den Lernstoff kurz vor der Ex nochmal durchlesen hat bei mir in den seltesten Fällen was gebracht, weil ich mir das so kurzfristig eh nie merken konnte. ^^

      Wir merken uns heutzutage generell viel zu wenige Dinge, seien es Telefonnummern, Wege oder Geburtsdaten. Mit Smartphone, Navi und Co. ist das ja meist auch nicht nötig. Ich muss zugeben, dass ich auch nur noch sehr wenige Telefonnummern auswendig kann. Damals in der Schule konnte ich die Telefon- und Handynummern all meiner Freunde noch aus dem Kopf. Heute muss ich fast alles nachschauen.
      Mir haben schon öfter verschiedene Leute vorgeschlagen, mit solchen Geschichten Dinge auswendig zu lernen, aber mir fiel es immer viel leichter, sie tatsächlich einfach so auswendig zu lernen, ohne irgendwelche Hilfsmittel ._. Und lustigerweise hatte ich das dann in viel weniger Zeit immer schon drauf, als ich gebraucht hätte, um mir so eine Geschichte auszudenken xD
      Mir ist im Laufe der Zeit aufgefallen, dass sich meine Lernmethoden ganz schön stark verändert haben. In der Schulzeit habe ich die Sachen immer nur stumpf auswendig gelernt, was bei der geringen Menge für mich auch nie ein Problem war. Im Studium muss ich aber des öfteren schon mal über 400 Folien mit mehr oder weniger Inhalt auswendig lernen. Während vieler meiner Kommilitonen am Computer die Inhalte zusammenfassten, versuchte ich immer mir die Folie/den Inhalt "bildlich" zu merken. Das ging teilweise schon in die Richtung des Storytellings, eignet sich mMn aber nicht wirklich besonders bei einer verdammt großen Menge an Informationen. Und oftmals fehlt mir auch einfach die Zeit mir Gedanken zu machen.

      Auf diese Technik bin ich erst wirklich vor drei Wochen gestoßen.
      In der Schule hatte ich früher viele Dinge auswendig gelernt. Vor allem bei Vokabeln oder Formeln. Ich finde es wirklich schade, dass in der Schule nicht intensiv auf diese effektive Lernmethode eingegangen wird/wurde. Das hätte mir früher vieles erleichtert.

      Aber naja, wie bereits gesagt, bin ich erst vor drei Wochen auf die Technik gestoßen (oder auch nur eine etwas abgewandelte Form davon) beim Japanisch lernen. Ich habe mir die Bücher von J.W. Heisig gekauft und er erzählt zu jedem Zeichen eine Geschichte, mit der man sich die Form besser einprägen kann. Ich habe vor ein paar Tagen mit Hiragana angefangen und diese Art des Lernens hat mir bisher doch ganz gut geholfen. Ich kann natürlich noch nicht beurteilen, ob diese Heisig-Methode längerfristig fruchtet, da die Meinungen sehr stark auseinander gehen. Das wird sich dann zeigen xD
      Ich hab es früher immer wieder mit Eselsbrücken versucht, Geschichten dazu ausgedacht hab ich mir allerdings bisher noch nie. Allerdings hab ich bei Eselsbrücken die Erfahrung gemacht, dass ich sie mir schwerer merke als das, um was es geht. Einfaches Beispiel ist dieser 'Mein Vater ...' um sich die Reihenfolge der Planeten merken zu können. Das sollten wir in der Schule lernen, aber ich konnte den Spruch nie, die Planetenreihenfolge hab ich mir dann aber dennoch gemerkt. (Da könnte man die Loci-Technik mal probieren s. u.)

      Ich denke mal, es gibt nicht umsonst verschiedene Lernmethoden, weil es auch so viele verschiedene Lerntypen gibt.

      Nach wie vor bin ich ein sturer Auswendiglerner, weil ich dafür einfach nicht viel Zeit benötige. Ich hab ein recht gutes Kurzzeitgedächtnis und kann mir Dinge nach zwei, drei Mal lesen größtenteils merken, der Rest ergibt sich dann in den folgenden Durchleserunden. Darum lerne ich - Vokabeln mal ausgenommen - meistens am Tag vor einer Arbeit. Geht aber auch nur, weil der Stoff das meistens zulässt, wobei ich bisher noch nie eine Arbeit hatte, die zu viel Stoff für einen Tag gewesen wäre.

      Da es hier aber um das Merken im Langzeitgedächtnis geht: bei mir kommt es immer auf das Interesse drauf an, wie gut etwas im Langzeitgedächtnis hängen bleibt. Nicht immer vorteilhaft. Oft kann ich mir aber zumindest merken, auf welchem Blatt was stand, weshalb ich halt relativ flott weiß, wo ich suchen muss, wenn ich es mal wieder brauche.
      Ich denke mal, dass könnte ich mit einer solchen Technik gut umgehen, Geschichten habe ich, wie oben schon gesagt, noch nicht probiert, aber Eselsbrücken zb. waren bei mir nie hilfreich, weshalb ich die irgendwann in der Schule dann verschmissen habe.
      Um deine anderen beiden Methoden noch anzusprechen: ich glaub, das müsste ich in Ruhe mal machen, weil ich mir das einfach null vorstellen kann, wie ich das genau im Kopf für mich aufbauen sollte, das ist mir alles zu strukturiert.
      Ja, der Querschnitt der bisherigen Beiträge verdeutlicht schon, wie unterschiedlich die Menschen lernen. :D

      @Beechan
      Das ging teilweise schon in die Richtung des Storytellings, eignet sich mMn aber nicht wirklich besonders bei einer verdammt großen Menge an Informationen. Und oftmals fehlt mir auch einfach die Zeit mir Gedanken zu machen.

      Stimmt, bei sowas bietet es sich nur an, wenn man genügend Zeit hat, um sich Assoziationen dafür zu bilden. Ansonsten ist die Vorgehensweise (meiner Ansicht nach) genau jene, die deine Kommilitonen angeschlagen haben: Zusammenfassungen machen. Bei dieser Masse an Informationen ist es meist am Besten, strukturiert vom Allgemeinen zu den Details zu gehen, wenn man lernt. Zuerst einmal im Groben und dann die Themen erneut in verfeinerter Form durchgehen, so zumindest hat man die beste "Ausbeute", denke ich.

      @Stella
      Das erinnert mich ein wenig an die Birkenbihl-Methode zum Sprachenlernen, die allerdings sehr umstritten scheint, was die Resultate angeht (bei manchen scheint es extrem gut zu funktionieren, bei manch anderen überhaupt nicht). Die Methode strukturiert das Sprachenlernen auf Basis von Audio- und Videodokumenten der gewünschten Fremdsprache in vier Schritte:

      "Dekodierung" (wobei man ein Transkript hat (oder sich machen lässt) und dieses dann Wort für Wort übersetzt, mit den deutschen Übersetzungen unter die Fremdworte - praktisch wie bei der Interlinearübersetzung), dann "aktives Zuhören" (wobei man sich mehrere Male die Originaltonspur anhört und dazu die jeweiligen Übersetzungen liest, nicht das Wort selbst), bis man es verinnerlicht hat und dann ständiges "passives Zuhören" (bspw. leises Nebenher-Abspielen des Films/der Musik/was auch immer, während man andere Dinge macht). Dies soll angeblich den Prozess, denn man beim natürlichen Sprachenlernen als Kind hatte, in drastisch verschnellerter Weise wiederholen und für ein sehr schnelles Verstehen fremder Sprachen sorgen (und angeblich das Antrainieren eines Akzentes weitgehend vermeiden, vorausgesetzt, die Sprecher der Originaltonspur haben auch keinen). Der optionale vierte Schritt ist dann wohl das Besorgen von Übungen, Aufgaben und dergleichen, um das Gehörte zu vertiefen, nachzusprechen, etc., falls man die Sprache nicht nur verstehen, sondern auch sprechen möchte.

      Ich habe es selber noch nicht ausprobiert, aber im Anbetracht der Tatsache, dass ich bereits Leute kannte, die sich durch mehr oder weniger "nur" Anschauen von Fernsehsendungen, Anhören von Radioprogrammen und dem regelmäßigen Lesen von Texten in einer Fremdsprache diese nach einer Weile mehr oder weniger gut selber beibringen konnten, denke ich, dass da durchaus etwas dran sein könnte - letzten Endes wäre das der selbe Prozess, nur wesentlich systematisierter.