21. Türchen

      Hey liebe DCDP-User,
      heute öffne ich für euch das 21. Türchen und in diesem befindet sich der dritte und letzte Teil meiner FanFiction über Bourbon/Toru Amuro. Jetzt gibt es die Auflösung des Mordes an Rika Tatsumoto und ihr könnt abgleichen, ob ihr mit euren Schlussfolgerungen richtig gelegen habt. Ich wünsche euch selbstverständlich viel Spaß und Unterhaltung mit dem Ende dieser FanFiction und hoffe, dass ihr dies auch schon bei den ersten beiden Teilen hattet. Hiermit verschicke ich meine Weihnachtsgrüße an euch DCDPler. Frohe Weihnachten! :thumbup:

      MfG
      Black organization member

      Du hast die ersten beiden Teile meiner Adventskalender 2015-FF zu Bourbon/Toru Amuro noch nicht gelesen? Dann wird´s aber Zeit. :D Oder du willst die Teile 1 und 2 nochmal lesen, um dich wieder an die Story zu erinnern oder weil dir die FanFiction bisher so toll gefallen hat? Das würde mich sehr freuen. :D
      Hier ist der Link zu Teil 1 "Bloody Christmas - Mörderisches Fest" (7. Türchen): 7. Türchen
      Hier ist der Link zu Teil 2 "White Christmas - Fest der Ermittlungen und Schlussfolgerungen" (14. Türchen): 14. Türchen


      Black Christmas – Schwarzes Fest

      Mittlerweile ist es bereits nach Mitternacht, doch die Ermittlungen im Mord an Rika Tatsumoto dauern weiterhin an und haben bislang noch immer nicht zu einem Ergebnis geführt. Die Tokioter Polizei und der selbsternannte Meisterdetektiv Kogoro Mori tappen nach wie vor im Dunkeln und Besserung ist nicht in Sicht, erfolgreiche Detektivarbeit sieht jedenfalls anders aus. Draußen ist der Nachthimmel komplett dunkel, nur der Mond und die Sterne erleuchten die Gegend um die Villa Tatsumoto und die Ermittler hoffen sehr, dass ihnen schnellstmöglich ein Licht aufgeht, während der Schnee noch leise auf die Erde rieselt.
      Alles andere als leise geht es im Wohnzimmer des Anwesens zu, denn soeben hat die Polizei den Tatverdächtigen mitgeteilt, dass sich die Nachforschungen im Mordfall noch eine Weile hinziehen werden. Dies bedeutet gleichzeitig, dass die Geduld der potentiellen Täter weiter strapaziert wird – in ihren Augen überstrapaziert. Schließlich haben die Tatverdächtigen bisher alles über sich ergehen lassen, um der Polizei bei den Ermittlungen bestmöglich zu helfen: eine Leibesvisitation, um bei der Suche nach der fehlenden Tatwaffe begrapscht zu werden; ein anstrengendes Verhör mit unangenehmen Fragen; und letztlich dieses ewige Warten im Wohnzimmer, die Unsicherheit, wie es jetzt weitergeht.
      Und nun soll es scheinbar weitergehen mit... weiterem Warten. Aber was zu viel ist, ist zu viel und nun ist der Zeitpunkt gekommen, wo den Tatverdächtigen der Geduldsfaden reißt. Das bekommen Kogoro und die Polizei nun zu spüren und starker Gegenwind kommt ihnen entgegen. „Was soll das heißen? Wie lange sollen wir denn noch warten?“ - „Sie lassen uns die ganze Zeit hier Däumchen drehen und das einzige Ergebnis, das Sie vorweisen können, ist, dass die Ermittlungen noch andauern? Das ist gar nichts!“ - „Wir wollen alle endlich mal zur Ruhe kommen, der Tod von Rika macht uns schwer zu schaffen und Sie halten uns hier fest. So eine Frechheit!“ - „Wenn Sie Amateurpolizisten und Möchtergern-Detektive nicht bald mal aufhören, die Zeit tot zu schlagen, dann sitzen wir noch ewig hier!“
      Die wütenden Proteste fliegen Kogoro und der Polizei um die Ohren, doch es ist nun einmal traurige Realität: Sie haben kein Ergebnis vorzuweisen, bislang können die Ermittler den Fall nicht lösen und keinem den Mord nachweisen, daher bleibt ihnen nicht viel übrig, als auf Zeit zu spielen. „Bitte beruhigen Sie sich doch. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir den Mord aufgeklärt haben, daher haben Sie noch etwas Geduld.“, versucht Megure die Anwesenden zu besänftigen, doch genauso wie bei den Ermittlungen bleibt er erfolglos.
      „Geduld, Zeit, Warten. Ist das alles, was Sie zu bieten haben? Immer diese Floskeln! Ich dachte, wir hätten es hier mit dem berühmtem Detektiv Kogoro Mori zu tun, der seine Fälle im Schlaf löst. Aber der kriegt bisher auch nichts hin außer an den Haaren herbeigezogene Schuldzuweisungen.“, macht Rikas Schwester Aya ihrem Ärger Luft. „Jetzt werden Sie mal nicht unverschämt! Wissen Sie wen Sie vor sich haben?“, entgegnet Kogoro, doch Aya kontert flapsig: „Offensichtlich einen Dilettanten.“ - „Diese dumme Zimtzicke! Die wird Augen machen, wenn ich den Fall löse und womöglich noch sie des Mordes überführe.“, denkt sich der Privatdetektiv daraufhin und schluckt seinen Ärger hinunter, anstatt auf direkten Konfrontationskurs zu gehen.
      Plötzlich überkommt Kogoro ein Gefühl der Müdigkeit und ein lautes Gähnen entweicht seinem weit aufgerissenen Mund. Dieses Geräusch zaubert ein fröhliches Lächeln in die Gesichter von Megure und Takagi, die beiden Kollegen schauen sich zufrieden an, in Erwartung der Show des Schlafenden Kogoro, auf die sie die ganze Zeit, beinahe schon sehnsüchtig, gewartet haben. „Ist es endlich so weit, Mori-kun? Ich wusste doch, dass Sie den Fall lösen würden. Auf Sie ist eben Verlass.“, freut sich Megure und schaut den Detektiv mit einem hoffnungsvollen Blick an.
      Kogoro entfernt nun die Hand von seinem Mund und beendet das Gähnen, dann sagt er mit müder Stimme: „Was ist endlich so weit? Habe ich was verpasst? Ich bin schon ziemlich müde.“ Doch anstatt nun weitere merkwürdige Geräusche von sich zu geben, wie ein Betrunkener durch den Raum zu torkeln und schließlich wie von Geisterhand gelenkt auf einem Stuhl zum Sitzen zu kommen und die typische Haltung zur Falllösung einzunehmen, bleibt der berühmte Detektiv aufrecht stehen. Megure und Takagi starren Kogoro noch verwundert an, immer noch auf die Auflösungsshow wartend, doch es tut sich nichts, kein Schlafender Kogoro, kein gelöster Fall, kein überführter Täter.
      „Das sind wir aber auch. Müde. Wir möchten schlafen, so gut das eben geht nach diesem tragischen Vorfall.“, mischt sich der Sänger Jinpei Furizawa ein. „Wenn Sie uns nichts nachweisen können, dann lassen Sie uns gefälligst gehen!“, fordert der Koch Minoru Ishida und verweist die Ermittler auf einen anderen Tatverdächtigen: „Was ist denn nun eigentlich mit dieser ominösen Person, die das Mädchen im Wald gesehen haben will? Vielleicht war das ja dieser Stalker, der hatte einen Groll gegen Frau Tatsumoto. Oder es war ein Einbrecher, der sie umgebracht hat. Gehen Sie doch besser dieser Spur nach, wir sind alle unschuldig!“
      „Dieser Spur sind wir auch nachgegangen, aber wir haben keine Einbruchspuren gefunden, die auf einen Täter von außen hinweisen.“, erwidert Takagi. „Außerdem wurden keine Wertgegenstände entwendet, einen Raubmord können wir ebenso ausschließen.“ - „Sie haben doch vorhin Amuro-san gehört.“, entgegnet auch Megure. „Er hat dargelegt, dass es keine fremde Person gewesen sein kann. Eine solche Person hätte bei der Flucht vom Balkon Fußspuren im Schnee hinterlassen. Sie wollen uns doch wohl nicht erzählen, dass der Täter geflogen sein soll.“
      „Jetzt werden Sie mal nicht unverschämt! Als Polizisten können Sie sich nicht alles erlauben und so mit uns umspringen!“, zeigt sich Furizawa verärgert. „Das Mädchen hat doch eine Gestalt im Wald gesehen, das können Sie doch nicht außer Acht lassen.“ - „Ach, meine Tochter hat nur überreagiert, geben Sie nicht so viel darauf, wahrscheinlich gab es keine Person im Wald.“, spielt Kogoro die Situation herunter, weswegen sich Ran empört echauffiert: „Paps! Willst du damit sagen, ich wäre bescheuert?“ - „Nein, Mausebein, so war das nicht gemeint. Du musst aber zugeben... du neigst zu Schreckhaftigkeit.“ - „Na und? Das muss nicht heißen, dass ich mir Gestalten einbilde!“, entgegnet seine Tochter und wirft ihm einen erbosten Blick zu, der Kogoro verstummen lässt, schließlich kann Ran Karate und wäre in der Lage, ihn mit einem gekonnten Kick außer Gefecht zu setzen.
      „Wo wir gerade von dem Kerl sprechen... Wo ist denn dieser arrogante Blondschopf? Vorhin hat er doch noch so ´ne Show abgezogen und große Töne gespuckt. Hat er jetzt etwa Schiss und traut sich nicht, sich uns zu stellen? Ist er zu eitel, um zuzugeben, dass auch er nicht die geringste Ahnung hat und dass er mit seinen wüsten Spekulationen daneben lag?“, nörgelt der Sohn des Opfers, Koji Tatsumoto. „Er ist noch oben und untersucht etwas.“, versucht Megure eine Art Ausrede zu finden, denn obwohl Toru Amuro tatsächlich in der zweiten Etage nochmal ermittelt, weiß der Mann mit dem orange-braunen Hut nicht, was den Kellner und Conan zuvor erneut ins Obergeschoss rennen ließ.
      In diesem Moment kommt Conan wieder zurück ins Wohnzimmer der Villa Tatsumoto. Nachdem er im zweiten Stock des Anwesens eine seiner Theorien bestätigen konnte und damit der Lösung des Falls einen Schritt näher gekommen ist, schlendert er zu den anderen. Seine Miene macht einen nachdenklichen Eindruck, das Grübeln über den Fall ist ihm im Gesicht abzulesen und dazu hat er auch allen Grund: Obwohl er durch seine persönlichen Ermittlungen einen großen Fortschritt gemacht hat, bleiben für ihn noch einige Fragen offen und bislang hat er für diese noch keine Hinweise gefunden.
      „Verdammt! Das ist doch zum Haare raufen.“, denkt sich der geschrumpfte Shinichi und tatsächlich kratzt er sich am Kopf, immer noch rätselnd und in der Hoffnung, dass ihm dadurch vielleicht die Lösung in den Sinn kommt. „Ich weiß zwar, wo die Tatwaffe abgeblieben ist... und wie der Täter kein Blut abbekommen hat... Aber... ich bin immer noch völlig ratlos. Das Mysterium um den verschlossenen Raum... den Trick habe ich noch nicht durchschaut... Und die wichtigste Frage: Wer ist der Mörder?“
      Der kleine Junge geht im Wohnzimmer auf und ab, während die Gedanken kreuz und quer durch seinen Kopf schwirren. Der Verstand des Detektivs ist in vollem Einsatz, Schlussfolgern und Kombinieren, das große Ein-mal-Eins der Detektivarbeit findet seine Anwendung und man könnte meinen, dass sein Kopf raucht, doch auf der Suche nach der Wahrheit hat er den entscheidenden Beweis noch nicht gefunden.
      „Was macht eigentlich dieser Typ von der Schwarzen Organisation noch so lange da oben?“, fragt sich Conan derweil. „Bourbon... Er wird genauso schlau sein wie ich und ebenfalls mit seinen Ermittlungen feststecken. Warum treibt der sich immer noch im zweiten Stock rum?“ Auf einmal ertönt das quietschende Geräusch von Stühlen, die über den Boden gerückt werden, und es reißt Conan aus seinen Gedanken. „Wir haben jetzt genug von Ihrem Zeitspiel. Entweder Sie beweisen jetzt, wer von uns der Täter sein soll oder wir hauen ab!“, protestieren die Tatverdächtigen, die sich schon alle von ihren Plätzen erhoben haben. „Na los, wir hören!“
      Megure und Kogoro sind ratlos, denn ihnen fehlen sowohl Indizien als auch Ansatzpunkte, von einem Beweis und der Fallauflösung ganz zu schweigen. Wie sollten sie jetzt aus dem nichts den Mörder von Rika Tatsumoto überführen. „Ähh... also... das ist so... nunja... lassen Sie mich nochmal kurz nachdenken... also der Täter... der T...Täter ist... es ist...“, will Kogoro ansetzen, um die Situation zu retten, aber: Was soll er denn sagen? Er kann keinen Verdächtigen ohne Beweis festnehmen und über seine Lippen kommt nichts als ein undeutliches Gebrabbel und Stottern. Kogoro wartet noch darauf, dass im nächsten Moment einer seiner narkoleptischen Anfälle einsetzt, doch Fehlanziege. „Das reicht, wir gehen!“, spricht nun Aya ein Machtwort und der angedrohte Aufstand wird in die Tat umgesetzt, die Tatverdächtigen wollen das Wohnzimmer verlassen, um nach Hause zu fahren beziehungsweise in Kojis und Ishidas Fall, um sich auf ihre Zimmer zurückzuziehen.
      „Na, na, na, wo wollen wir denn hin? Will der Täter etwa flüchten?“, ertönt plötzlich eine Stimme und im nächsten Moment tritt Toru Amuro in das Wohnzimmer und stellt sich den Tatverdächtigen in den Weg. „Ach, der Wichtigtuer und Besserwisser. Geben Sie sich auch nochmal die Ehre. Gehen Sie da weg, wir wollen gehen!“, blafft Koji den blonden Kellner an. „Nun, das können Sie auch, aber vorher möchte ich Sie ein letztes Mal um Geduld bitten.“ - „Das haben wir heute Abend schon zigmal gehört, irgendwann ziehen ihre Floskeln auch nicht mehr. Lassen Sie uns durch!“, fordert Furizawa, doch Amuro macht keine Anstalten, den Weg frei zu machen.
      „Keine Sorge, es wird nicht mehr lange dauern, dann können Sie alle zur Ruhe kommen. Mit einer Ausnahme, dem Täter.“, sagt Toru Amuro, in seinem Gesicht ein siegessicheres Grinsen, und dann legt er nach: „Ich weiß, wer Rika Tatsumoto umgebracht hat, ich habe den Fall gelöst.“ - „Oh nein, nicht noch so eine bescheuerte Theorie, Ihr Ermittler habt schon genug haltlose Anschuldigungen rausgehauen. Das höre ich mir nicht weiter an!“, entgegnet der Koch Ishida, doch der blonde Detektiv erwidert: „Ich kann es beweisen.“
      „Was?!?!“, schreien Kogoro und Megure gleichzeitig auf, in ihrer Stimme einerseits Überraschung und Erstaunen, andererseits aber auch die Freude und Zuversicht, dass dieses Mal tatsächlich jemand das Mysterium entschlüsselt hat, zumindest befeuern Amuros Worte wieder die Hoffnungen auf eine Fallauflösung, die die beiden Ermittler eigentlich schon aufgegeben haben, Toru Amuro als Retter in der Not.
      Die Tatverdächtigen stehen ebenfalls wie angewurzelt im Wohnzimmer und starren den blonden Detektiv ungläubig an. Eigentlich haben sie keine Lust, sich eine weitere absurde Schlussfolgerung anzuhören, davon gab es bereits eine Überdosis an diesem Abend und Amuro gehört für die Tatverdächtigen in die gleiche Schublade wie Megure und Kogoro, alles inkompetente Ermittler, die nichts drauf haben außer Märchenstunde und abenteuerliche Geschichten. Doch irgendwie ist es dieses Mal anders, ein Gefühl sagt ihnen, dass der blonde Detektiv tatsächlich den Fall gelöst haben könnte. Dieses Grinsen und diese selbstbewusste Ausstrahlung, konnte das nur Show sein? Die anwesenden Personen wissen selbst nicht, wie Amuro das geschafft hat, doch die Zuversicht, dass er sie mit der Lösung des Falls endlich erlöst ist größer als das Misstrauen.
      „Sie möchten ja gehen, daher würde ich vorschlagen, dass wir keine Zeit verlieren und direkt mit der Beweisführung anfangen.“, möchte der Kellner ansetzen, doch eine Sache fehlt ihm noch. „Bevor wir beginnen, bräuchte ich aber noch eine lange, stabile Angelschnur. Gäbe es eine Möglichkeit, dies zu so später Stunde noch aufzutreiben?“ - „Ähm... ja, sie müssen sich keine Umstände machen.“, mischt sich auf einmal der Butler Kanabe ein, der die angezettelte Revolution der Tatverdächtigen zuvor teilnahmslos beobachtet hat, denn er hätte wohl auch nichts ausrichten können.
      „Die Herrin hat Angelausrüstung im Haus, denn durch ihre Karpfenzucht oder zum Abschalten vom Stress, den ihr Job mit sich bringt, hat sie selbst hin und wieder geangelt.“ - „Na super, dann ist ja alles bereit. Ich würde Sie bitten, ins Obergeschoss zu gehen, dort werde ich Ihnen demonstrieren, wie der Täter vorgegangen ist.“, sagt Bourbon und erwischt sich anschließend dabei, wie ein Satz über seine Lippen kommt, den er sonst von Vermouth gewohnt ist, auch wenn die blonde Schauspielerin wohl den englischen Ausdruck bevorzugen würde: „Dann lassen wir die Show beginnen.“
      Währenddessen starrt Conan das Organisationsmitglied mit aufgerissenen Augen und offenstehendem Mund fassungslos an. „Unmöglich! Wie kann das sein, wie hat er den Fall lösen können? Er muss doch auf dem selben Kenntnisstand wie ich sein... oder nicht? Habe ich vielleicht etwas übersehen, einen entscheidenden Hinweis? Aber was?“ Der geschrumpfte Shinichi rätselt, warum er nicht in der Lage war, diesen Mord aufzuklären, Bourbon jedoch schon. Bei allem Respekt vor Bourbons Qualitäten als Detektiv... aber das kann Conan so nicht stehen lassen, das sagt ihm einfach sein Ehrgeiz als Holmes der Neuzeit.
      Die im Wohnzimmer versammelten Personen setzen sich alle in Bewegung, um sich in den zweiten Stock zu begeben, wo Toru Amuro ihnen seine Schlussfolgerungen präsentieren möchte, man könnte fast meinen, eine kleine Völkerwanderung würde ausbrechen. Als Toru Amuro gerade den ersten Schritt auf dem Weg zu seinem großen Auftritt machen will, verspürt er eine Berührung an seinem Bein, ein Ziehen an seiner Hose. Ein kurzer Blick verrät ihm, dass Conan es ist, der ihn am Hosenbein festhält, mit entschlossenem, ernstem Blick schaut er dem Organisationsmitglied in die Augen.
      Bourbon kniet sich zu dem kleinen Jungen, um ein Gespräch auf Augenhöhe zu ermöglichen, doch noch bevor er auch nur eine Silbe sagen kann, fragt Conan interessiert, aber dennoch mit fester Stimme: „Amuro-niichan... wie konntest du diesen Fall lösen? Was hast du nur vor?“ Keine Reaktion, keine Bewegung, kein Wort... zunächst. Dann bildet sich wieder dieses fette Grinsen, der Gesichtsausdruck, den Gin verabscheut wie die Pest. Wäre das Organisationsmitglied mit den giftgrünen Augen, dem eiskalten Blick und den langen, silbergrauen Haaren jetzt hier und würde das sehen... er würde Bourbon die Visage polieren, bis ihm das Grinsen vergeht.
      Conan ist dadurch erst irritiert, dann geht ihm das Grinsen auch auf die Nerven, er will eine richtige Antwort auf seine Frage und nicht diesen spöttischen Blick. Immerhin war er es ja selbst, der nicht mit einem Mann in Schwarz kooperieren wollte und dadurch eine Art Detektiv-Wettstreit ins Leben gerufen hat... und jetzt steht er als Verlierer in diesem Duell da, das kann er nicht auf sich sitzen lassen, das wurmt den geschrumpften Detektiv sehr, bislang hat er doch jeden Fall gelöst. Soll er sich jetzt etwa gegen ein Organisationsmitglied geschlagen geben?
      „Jetzt sag schon was! Wie hast du das gemacht?“, fragt er mit Nachdruck, er muss sich aber zurückhalten, nicht in ein Schreien zu verfallen, stattdessen bleibt er nur mit Mühe bei einem leisen Ton. Bourbons Blick bleibt unverändert, Conan kommt es fast wie eine Ewigkeit vor, dann kommen dem blonden Mann endlich Worte über die Lippen: „Warte einfach ab. It´s a secret.“ Conans Herz schlägt schneller, er versteht sofort die Anspielung, das war kein Zufall, das war eine bewusste Aussage, das war Absicht.
      Im nächsten Augenblick tätschelt Bourbon hämisch Conans Kopf und sagt zu ihm mit lauter Stimme, sodass es auch alle anderen Personen hören, die eben das Wohnzimmer verlassen: „Tja, du kleiner Detektiv, du musst eben noch viel lernen. Sieh am besten gleich mal zu, wie ich den Fall auflöse, da kannst du dir dann für deine Zukunft als Detektiv eine Scheibe abschneiden.“ Danach wendet er sich wieder den Ermittlern und Tatverdächtigen zu: „So, auf geht’s nach oben, Sie werden es sicher kaum erwarten können.“ Conan folgt der Gruppe selbstverständlich ins Obergeschoss, aber nicht, ohne dem blonden Organisationsmitglied einen genervten Blick zuzuwerfen, mit dem Gedanken: „Nur, weil ich wie ein Kind aussehe, muss man mich nicht gleich so behandeln.



      ***



      Die Spannung steigt, alles ist bereit für die Schlussfolgerungen von Toru Amuro, der diese Situation sichtlich genießt, einen Fall gelöst zu haben und seine detektivischen Fähigkeiten nun unter Beweis zu stellen. Alle Augen sind auf den blonden Detektiv gerichtet, wartend und hoffend auf die richtigen Schlüsse im Mordfall an Rika Tatsumoto. Amuro steht dabei auch unter der strengen Beobachtung von Conan, mit ernster Miene und verschränkten Armen will er sich die Theorie des Kellners anhören. Es scheint fast, als wäre es für den Lehrling Toru Amuro die Abschlussprüfung, aber nicht Kogoro, sondern Conan wäre der Lehrmeister.
      Alle anwesenden Personen fiebern der Fallauflösung entgegen, mit der Amuro sogleich beginnt: „Einen Teil meiner Überlegungen habe ich bereits vorhin schon mitgeteilt und ich bleibe dabei: Da die Zimmertür vom Opfer zunächst abgeschlossen wurde, kann es keine fremde Person gewesen sein, die Frau Tatsumoto einen mörderischen Besuch abgestattet hat, denn sie hätte nur für eine vertraute Person die Tür geöffnet. Ohne Zweifel, der Mörder befindet sich unter uns, es ist einer von Ihnen Vier.“
      Sein Blick richtet sich auf die Tatverdächtigen, die inständig gehofft haben, dass nun doch eine fünfte Person für den Mord verantwortlich gemacht wird. Doch diese Hoffnungen wurden nicht erfüllt und wenn man dem blonden Detektiv und seinen Äußerungen Glauben schenkt, - und das tun sie, denn diese Entschlossenheit kann doch unmöglich aufgesetzt sein, oder? - dann hat einer von ihnen Rika Tatsumoto umgebracht: Jinpei Furizawa, Koji Tatsumoto, Aya Tatsumoto oder Minoru Ishida. Aber wer ist der Täter?
      „Ich denke, der Mord hat sich in etwa so abgespielt.“, setzt Toru Amuro seine Theorie fort. „Der Täter kam zu Frau Tatsumoto und hat um Eintritt gebeten, möglicherweise um ein Gespräch zu führen, irgendeinen Vorwand wird es schon gegeben haben. Das Opfer hat der bekannten Person die Tür geöffnet, ohne zu ahnen, dass sie ihren Mörder vor sich hat. Und als sie und der ominöse Gast im Zimmer waren.... hat der Täter Frau Tatsumoto kaltblütig erstochen.“
      Vor dem inneren Auge der Zuschauer von Amuros Fallaufklärung spielt sich ein Film ab, der die Schlussfolgerungen des Detektivs widerspiegelt, die furchtbare Vorstellung von der Ermordung Rikas lässt ihnen das Blut in den Adern gefrieren, vor allem mit dem Anblick der Leiche von zuvor im Hinterkopf. Megure ist durch seine jahrelange Erfahrung mit Mordfällen aber abgehärtet gegen diese Vorkommnisse und will sich daher besser auf die Fakten besinnen: „Das klingt durchaus plausibel, aber... im Prinzip erzählen Sie uns nichts Neues, Amuro-san. Wie sieht es denn mit den Blutspritzern aus, die der Täter eigentlich hätte abbekommen sollen? Hat der Mörder nach der Tat etwa doch die Kleidung gewechselt?“
      „Nein.“, kommt es über Amuros Lippen wie aus der Pistole geschossen. „Das war aber auch gar nicht nötig. Der Täter hat einfach ein Schutzschild benutzt.“ - „Ein Schutzschild?!?“, äußert sich Kogoro verwundert und auch Megure muss nachfragen: „Wie meinen Sie denn das?“ - „Der Täter hat eine simple Methode angewendet, um Blutspuren auf der Kleidung zu vermeiden. Wenn man beispielsweise eine Art Plane mit dem Messer durchsticht... das könnte eine Zeitung sein oder aber... Geschenkpapier.“
      Nun geht den Ermittlern ein Licht auf und sie durchschauen den Trick des Täter. „Verstehe, so ist das also gewesen.“, freut sich Takagi. „Der Mörder hat die Mitte von einem großen Stück Geschenkpapier oder Ähnlichem mit dem Messer durchbohrt. So hat nur die Klinge des Messers Blut abbekommen und natürlich das Papier, aber keine Spritzer kommen auf den Täter. Es fungiert quasi als Schutzschild.“ - „Aber Moment mal.“, hat Megure noch Bedenken. „Wäre es denn nicht auffällig gewesen, wenn der Täter den Raum mit einer großen Plane aus Geschenkpapier betritt? Selbst wenn er das Messer hinter dem Rücken versteckt, das Papier fällt doch trotzdem auf, Frau Tatsumoto muss das doch komisch gefunden haben.“
      Die Zweifel des Polizisten mit dem orange-braunen Hut sind berechtigt, doch auch darauf weiß Toru Amuro eine Antwort: „Schon, aber was wäre wenn... der Täter einige Vorbereitungen getroffen hat?“ Er hinterlässt mit dieser Aussage noch mehr Fragezeichen bei den Ermittlern als ohnehin schon vorhanden sind, daher erklärt er, was er gemeint hat: „Der Täter hat bereits zuhause die Tatwaffe so präpariert, dass dem Opfer nichts auffällt und er schnell den Schutz aufspannen kann. Ich nehme an, er hat das Papier im Voraus immer wieder zusammen- und auseinandergefaltet. So konnte der Mörder das Messer mit dem Papier vor Frau Tatsumoto verstecken und als er zustechen wollte... hat er das Papier schnellstmöglich aufgefaltet. Der Schutz vor dem Blut war aufgespannt und das Messer bohrte sich in die Brust des Opfers.“
      „Das ist irgendwie simpel, aber doch geschickt ausgedacht. So könnte es tatsächlich gewesen sein.“, gibt Megure zu und der blonde Detektiv ergänzt: „Ich gehe daher davon aus, dass er wie gesagt das Papier mitgebracht hat, um seinen Plan in die Tat umzusetzen. Hätte er das Geschenkpapier aus dem Zimmer hier genommen, wäre das Frau Tatsumoto sicherlich merkwürdig vorgekommen... Wie dem auch sei, nachdem die Hausherrin umgebracht wurde, hat der Täter die Tatwaffe verschwinden lassen... und dazu hat er auch die Angelschnur gebraucht.“
      Toru Amuro lässt sich vom Butler Kanabe die Spule reichen, auf der die Angelschnur aufgerollt ist, und nimmt sich ein Stück Geschenkpapier aus dem Zimmer, doch anstatt seine Schlussfolgerungen am Tatort fortzusetzen, verlässt er den Raum zur Überraschung der anderen. „Wo wollen Sie denn hin, Amuro-san?“, wundert sich sein Lehrmeister Kogoro über das Verhalten seines Schützlings. „Ins Badezimmer. Wenn Sie mir bitte folgen würden.“ Die anwesenden Personen lassen sich nicht zweimal bitten und begleiten den Kellner in den Raum direkt neben dem Zimmer des Opfers.
      „Was machen wir denn jetzt hier? Gibt es hier etwas Besonderes zu sehen?“, fragt Kogoro, der wegen des Raumwechsels nur noch Bahnhof versteht. „Besonderes? Nunja, in gewissem Maße schon.“, gibt Amuro zu und mit seiner Demonstration will er dem nächsten Mysterium bei diesem Mordfall auf den Grund gehen. „Praxis ist in diesem Fall besser als Theorie, daher werde ich Ihnen zeigen, wie der Mörder vermutlich vorgegangen ist.“
      Der blonde Detektiv legt nun alle Utensilien auf den Boden, die er benötigt, um die Vorgehensweise des Täters vorzustellen: Die Angelschnur, das Geschenkpapier, einige Gewichte sowie ein Messer, das er aus seiner Weste zieht, und im Folgenden beschreibt er die Herangehensweise, während er parallel dazu die einzelnen Schritte durchführt. „Das Messer habe ich mir mal aus der Küche geliehen, damit wir einen Gegenstand haben, der wohl auch der Tatwaffe entspricht, zur Vergleichbarkeit. Ebenso aus der Küche habe ich die Gewichte zum Abwiegen. Der Täter ist nun folgendermaßen vorgegangen, und mal wieder gilt: Es ist gar nicht mal so kompliziert, sondern recht einfach, aber es erfüllte den Zweck des Täters.“
      Toru Amuro legt nun los mit dem Trick der verschwundenen Tatwaffe, auf den die Ermittler und Verdächtigen schon gespannt sind, und erläutert dabei: „Nach der Tat hat der Mörder das Messer in dem Papier eingewickelt. Mit der Angelschnur hat er die Tatwaffe im wahrsten Sinne des Wortes verpackt. Anschließend wurde das eingewickelte Messer vermutlich an ein Gewicht oder einen anderen schweren Gegenstand gebunden, den der Täter dabei hatte. Das zeigt übrigens auch, dass der Mörder die Tat gründlich geplant hat, wenn er sich schon einige Gegenstände zu dieser Weihnachtsfeier mitnimmt oder Dinge präpariert, die er für die Tatbegehung braucht.“
      „Also ich verstehe das richtig: Der Täter hat ein Gewicht sowie die eingewickelte Tatwaffe mit der Schnur zusammengebunden. Und weiter? Wohin ist die Waffe denn dann verschwunden?“, möchte Megure wissen, aber der Polizist muss mal wieder nicht lange auf eine Antwort warten: „Dort ist die Waffe verschwunden.“, sagt Amuro mit fester Stimme und deutet auf das Fenster des Badezimmers. „Der Täter hat das Messer mitsamt Gewicht aus dem Fenster geworfen? Ist das nicht etwas zu weit hergeholt?“, wundert sich ein skeptischer Kogoro.
      „Nein, nicht geworfen, aber herabgelassen.“, entgegnet der blonde Detektiv und weiter: „Ich habe nämlich festgestellt, dass sich direkt unter dem Badezimmerfenster ein gutes Versteck befindet, wo man nicht so schnell suchen würde. Und diesen Umstand hat sich der Täter zunutze gemacht.“ Für Megure und Kogoro spricht Amuro scheinbar in Rätseln und die fragenden Gesichter machen ihm klar, dass die Auflösung des Tricks nun angebracht wäre. „Schauen Sie doch mal gerade hier nach unten.“, meint der Kellner und öffnet das Fenster. Megure und Kogoro treten nun näher, neugierig, was Amuro mit seinem mysteriösen Geschwätz meinen könnte und ein Blick in die Tiefe verrät ihnen den Trick des Mörders, sodass die beiden Ermittler synchron aufschreien: „Der Teich!“
      „Ganz genau, das ist das Versteck der Tatwaffe. Und so hat es der Täter angestellt.“, erklärt Amuro nun, während er wieder die Handlungen des Mörders imitiert. „Das Bündel aus dem eingewickelten Messer und dem Gewicht wurde an eine weitere Angelschnur gebunden. Mit dieser hat der Täter besagtes Bündel vom Badezimmer geradewegs nach unten in den Teich abgeseilt. Durch das Gewicht wird die Tatwaffe auf den Grund des Teichs gezogen. Selbst von hier oben kann man kaum erkennen, was im Wasser liegt. Nur, wenn man ganz genau hinsieht, kann man halbwegs sehen, dass da was ist, aber auch nur durch das Wasser sehr undeutlich und wenn man davon ausgeht, dass sich etwas im Teich befindet.“
      Und tatsächlich, der von Toru Amuro demonstrierte Kniff funktioniert, die Angelschnur hält das Gewicht aus und das Messer verschwindet in den Tiefen des Teichs. Zum Schluss muss der blonde Detektiv nur noch, die Angelschnur durchschneiden und der Trick ist komplett. „Voraussetzung ist natürlich eine stabile Schnur, aber das findet man in jedem Anglergeschäft.“, vervollständigt er noch seine Theorie. „Aber... wir haben doch aus dem Fenster geschaut... aus dem Wohnzimmer hinaus auf den Teich. Und wir haben keinen Gegenstand gesehen, der ins Wasser gelassen wurde!“, hat Ran noch Restzweifel, doch Amuro erklärt: „Ein Täter muss bei seinem Verbrechen manchmal auch Glück haben, das ist ebenfalls ein Faktor. Es hat ja lange gedauert, bis alle Gäste wieder im Wohnzimmer versammelt waren, daher hatte der Mörder genug Zeit und es wäre schon großer Zufall gewesen, wenn er gerade in dem kurzen Moment diesen Trick vollführt, als wir auf den Teich geschaut haben.“
      Toru Amuros Vorstellung seiner Schlussfolgerungen läuft bisher im wahrsten Sinne des Wortes wie am Schnürchen, doch er steht weiterhin unter der strengen Beobachtung von Conan, mit ernster Miene begutachtet der die Fallaufklärung des Organisationsmitglieds. Aber bislang war Bourbons Theorie für den geschrumpften Shinichi nichts Neues, auf die Tricks mit dem Geschenkpapier und der verschwundenen Tatwaffe ist er auch gekommen und bis zu diesem Punkt stimmen die Schlussfolgerungen der beiden Detektive haargenau überein. Doch jetzt ist der Moment gekommen, auf den Conan die ganze Zeit gewartet hat, nun wird Toru Amuro auflösen, wie der verschlossene Raum hergestellt wurde und wer Rika Tatsumoto umgebracht hat. Die beiden Mysterien, die Conan nicht lösen konnte, er brennt nun darauf, die Aufklärung dieser Rätsel präsentiert zu bekommen und in seinem Kopf ist immer noch die Frage: „Welches Detail habe ich übersehen? Warum konnte ich diesen Fall nicht lösen?“
      „Takagi, gehen Sie mit der Spurensicherung der Sache nach und untersuchen Sie den Teich nach der Tatwaffe! Wenn Amuro-san Recht hat, muss sie dort zu finden sein. Und wenn Sie höchstpersönlich ins kalte Wasser tauchen müssen!“, gibt Megure seinem Kollegen den Befehl, der daraufhin umgehend aus dem Zimmer rennt. Die Aufmerksamkeit richtet sich aber in der nächsten Sekunde schon wieder auf Toru Amuro und Megure fordert die Aufklärung des nächsten Rätsels: „Ich bin beeindruckt, bislang eine sehr gute Beweisführung. Aber Sie haben noch nicht geklärt, wie der Täter das Zimmer abgeschlossen hinterlassen konnte.“
      „Nichts leichter als das.“, gibt sich Amuro selbstbewusst und diese Aussage macht Conan noch wütender. Konnte er nicht einmal ein scheinbar so einfaches Rätsel lösen, wenn man dem Kellner Glauben schenken darf? Das kratzt schon gewaltig an seinem Stolz als Detektiv, ein ungelöster Fall ist eine klare Niederlage, daran besteht für Conan kein Zweifel. „Der Täter hat erneut die Angelschnur als Werkzeug benutzt, um den Raum abzuschließen.“, leitet der blonde Detektiv währenddessen seine Theorie ein.
      „Nach dem Mord an Frau Tatsumoto hat der Täter das Zimmer mit dem Schlüssel aus der Keramikschale abgesperrt und ist ins Badezimmer gegangen, wo er durch den eben genannten Trick die Tatwaffe verschwinden ließ. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass er die Tür zum Bad abgeschlossen hat, um nicht auf frischer Tat ertappt zu werden. Anschließend hat er ein Ende der Angelschnur hier im Bad befestigt, möglicherweise an der Klinke vom Fenster oder an der Haltestange von den Handtüchern, er musste fest zuschnüren, damit sich die Schnur nicht löst. Dann hat er den Rest der aufgewickelten Angelschnur vom geöffneten Fenster des Badezimmers aus auf den Balkon vom Raum des Opfers geworfen. Natürlich ohne Spule oder Ähnliches, sonst hätten wir ein Geräusch gehört.“
      Parallel zu seinen Erklärungen führt Toru Amuro die beschriebenen Schritte durch und mit einem gekonnten Wurf kann er die Angelschnur tatsächlich auf den Nachbarbalkon befördern. „Klar muss man den Balkon erstmal treffen, aber das scheint mir kein Ding der Unmöglichkeit zu sein, so weit ist er nicht entfernt.“ Auf einmal setzt sich die Kellner wieder in Bewegung und geht vom Badezimmer zurück an Tatort, während die anderen Personen ihm folgen, mittlerweile wird dieser Raumwechsel nicht mehr hinterfragt, man vertraut dem blonden Detektiv nun, nachdem dieser mit seinen Schlussfolgerungen bislang zu überzeugen weiß.
      Im Zimmer des Opfers angekommen nimmt sich Toru Amuro die Angelschnur vom Balkon und zeigt den Ermittlern und Tatverdächtigen den Trick des Täters, den er erneut zeitgleich kommentiert: „Nun hat der Mörder die Angelschnur folgendermaßen benutzt: Die Schnur musste bis zur Kommode in diesem Raum ausreichen, denn dort steht die Maschine, die den verschlossenen Raum möglich gemacht hat.“ Er begibt sich zu dem kleinen Schrank hinter dem Schreibtisch des Opfers und berührt den entscheidenden Gegenstand. „Dieser CD-Player!“
      „Der CD-Player? Was wollen Sie damit sagen, Amuro-san?“, ist Megure sichtlich überfragt, denn es entzieht sich seiner Vorstellungskraft, wie dieser Gegenstand nützlich dabei sein kann, einen verschlossenen Raum zu hinterlassen. „Als wir die Leiche entdeckt haben, lief Musik aus dem CD-Player, nicht wahr?“, fragt Amuro in die Runde. „J...ja, aber Frau Tatsumoto hat auch gesagt, sie wolle sich das Album anhören, das Furizawa-san ihr geschenkt hat.“, meint Ran, die die Musik nicht als verdächtig empfindet und sich keinen Reim aus Amuros Worten machen kann.
      „Das stimmt, aber das muss nicht heißen, dass sich der Täter den CD-Spieler nicht zunutze gemacht haben kann.“ entgegnet der blonde Detektiv und erläutert die Vorgehensweise des Mörders: „Mit dem Schlüssel ist der Täter wieder vom Bad an den Tatort zurückgekehrt und hat diesen Trick in die Tat umgesetzt. Das Ende der Angelschnur wurde zu einer kleinen Schlaufe gebunden und an der Stelle angebracht, wo sich auch die CD befindet, am Laufwerk. Dann ist der Täter zurück ins Bad gegangen, hat das dort befestigte andere Ende der Schnur abgemacht und den ganzen Rest der langen Angelschnur wieder zu sich gezogen. Der Mörder hat die Tat, wie vorhin ausgeführt, geplant, also wird er auch eine sehr lange Angelschnur vorbereitet haben, denn diese musste wieder bis zur Tür von Frau Tatsumotos Zimmer reichen.“
      „Eine so lange Angelschnur?!?“, staunt Kogoro, doch Toru Amuro entgegnet: „Ja, das war auch notwendig. Und anschließend musste sich der Täter etwas beeilen: Der Mörder hat danach den CD-Spieler angeschaltet, sodass die Musik zu spielen begann und die Schnur wurde langsam aufgewickelt und in den CD-Spieler gezogen. Der Täter musste nun aus dem Zimmer des Opfers gehen, mit dem Schlüssel abschließen und diesen Schlüssel dann mit einem Klebeband am Ende der Angelschnur befestigen. Da die Angelschnur aber so lang war, hatte der Täter genug Zeit, um den Schlüssel mit Klebeband an der Schnur anzubringen. Wichtig ist aber, dass der Schlüssel nicht zu lasch am Band angebracht wird, sonst fällt der Schlüssel ab, aber auch nicht zu fest, sonst löst sich das Klebeband im entscheidenden Moment nicht vom Schlüssel.“
      „Was denn für ein entscheidender Moment? Amuro-san, Sie reden wirklich in Rätseln.“, ist Megure weiterhin sichtlich verwirrt, die Fragezeichen schwirren wieder um seinen Kopf, denn richtig verständlich sind die Erklärungen des Kellners für ihn nicht. „Warten Sie es ab, jetzt führe ich den Trick durch.“, erwidert der blonde Detektiv, der während seiner Erläuterungen bereits angefangen hat, die Angelschnur zu präparieren.
      Toru Amuro führt nun den Trick für den verschlossenen Raum durch, den Anweisungen folgend, die er soeben den Anwesenden präsentiert hat. Als die CD abgespielt wird, fädelt sich in der Tat die Angelschnur auf, die Tür wird abgeschlossen, dann bringt er den Schlüssel mit dem Klebeband an der Schnur an, sodass der Schlüssel erst durch das Bad, dann an der Hausfassade entlang und schließlich über den Balkon ins Zimmer von Frau Tatsumoto gezogen wird. Anschließend wird der Schlüssel durch die sich aufwickelnde Angelschnur bis auf die Kommode hochgezogen, bis er letztlich den CD-Spieler erreicht. Dort angekommen wird die Angelschnur endgültig von dem CD-Player geschluckt... und tatsächlich: Das Klebeband löst sich vom Schlüssel und verschwindet ebenfalls im Laufwerk, weil es nicht zu fest am Schlüssel befestigt wurde, und der Schlüssel fällt in die Keramikschale auf der Kommode, direkt vor dem CD-Spieler. Ein verschlossener Raum!
      „Unfassbar!“, staunt Megure, während alle anderen Personen im Zimmer vor Verwunderung, Erstaunen oder Begeisterung kein Wort mehr rauskriegen. Niemals, nie im Leben hätten sie das für möglich gehalten, doch das scheinbar Unmögliche ist jetzt Realität geworden, als hätte der blonde Detektiv die Grundsätze der Physik außer Kraft gesetzt. Doch dass genau diese Konstruktion eben nicht unmöglich war, hat der Kellner soeben eindrucksvoll gezeigt und mit weit aufgerissenen Augen starren die Ermittler und Tatverdächtigen auf den CD-Player, die „Wundermaschine“, während sich vor ihrem inneren Auge nochmal die Szene abspielt, die sie gerade erlebt haben: Die Angelschnur verschwindet im CD-Spieler und der Schlüssel fällt in die Schale!
      Conan ist fassungslos, aber nicht unbedingt wegen des Tricks, denn solche Angelschnur-Konstruktionen hat er schon mehrfach gesehen und damit zahlreiche Fälle gelöst, so ungewöhnlich ist das für ihn auch wieder nicht. Aber vielmehr aufgrund der Tatsache, dass er diesen Trick nicht aufgedeckt hat, dafür aber ein Mitglied der Schwarzen Organisation. Bourbon befindet sich gerade durch die Ausführung des Tricks nicht im Zimmer, aber wenn er da wäre, würde er ihn jetzt anstarren, möglichst direkt in seine blauen Augen, mit einem Ausdruck von Respekt einem anderen, in diesem Mordfall wohl besseren Detektiv gegenüber, aber auch mit dem Ausdruck von Verärgerung, denn normalerweise war es Conan überlassen, solche Mysterien zu lösen, wenn auch über den Schlafenden Kogoro als Medium, aber heute war der Weihnachtsmann wohl nicht so gnädig mit dem kleinen Detektiv und beschenkte Toru Amuro mit der Lösung für den Fall.
      Aber wie? Wie hat Toru Amuro es geschafft, diesem Trick auf die Schliche zu kommen, aber Conan konnte es nicht? Der kleine Junge wird das Gefühl nicht los, dass er etwas übersehen haben muss, ein Detail, einen Hinweise, vielleicht sogar den entscheidenden Beweis, der dem Kellner zum Erfolg verhelfen konnte. Während Conan in Gedanken versunken ist, wird er aus eben diesen gerissen, als eine Hand gegen die Tür klopft.
      Der Butler Kanabe eilt sofort zum Eingang des Tatorts und öffnet die Tür für Toru Amuro, der mit seinem selbstbewussten Grinsen wieder in Erscheinung tritt. Er liebt es, diesen Gesichtsausdruck aufzusetzen, sei es, um Gin zu ärgern oder wie in diesem Fall einfach nur aus Freude über einen abgeschlossenen Auftrag oder gelösten Fall. „Und? Ihren staunenden Gesichtern entnehme ich, dass alles so geklappt hat wie geplant.“, sagt der blonde Detektiv und im nächsten Augenblick wandert sein Blick zu Conan und ihre Blicke treffen sich, Auge in Auge mit dem Detektiv-Rivalen, es scheint eine besondere Spannung zwischen den beiden Ermittlern zu geben.
      „Ich muss sagen, Sie haben sich selbst übertroffen, Amuro-san. Ihre Schlussfolgerungen könnten von Mori-kun stammen, wenn er uns im schlafenden Zustand seine Fallaufklärung präsentiert, aber...“, spricht Megure dem blonden Detektiv seinen Respekt aus, doch Kogoro unterbricht seinen ehemaligen Vorgesetzten: „Das ist ja auch kein Wunder, er ist schließlich mein Lehrling, das hat er alles von mir gelernt. Wenn wir verwandt wären, würde ich sagen: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Amuro-san hat eben den besten Lehrmeister der Welt: Mich, den großartigen Meisterdetektiv Kogoro Mori. Hahahahaha.“
      Bei der lauten Lache des Privatdetektivs hört Megure sein eigenes Wort nicht mehr, deshalb wartet er zunächst ab, bis sich Kogoro wieder gemäßigt hat, um dann mit der Frage fortzufahren, die er zuvor nicht aussprechen konnte: „Aber wer ist denn nun der Mörder, Amuro-san? Im Prinzip hätten alle Verdächtigen die Möglichkeit gehabt, diese Tat zu begehen.“
      „Nein, nur eine Person konnte diesen Mord ausführen und schließlich die Indizien am Tatort verschwinden lassen.“, erwidert Amuro, um nun zur entscheidenden Schlussfolgerung auszuholen. „Immerhin musste die Angelschnur wieder aus dem CD-Player verschwinden, sonst wäre sie gefunden und der ausgeklügelte Plan wäre durchschaut worden. Es gibt nur eine Person, die sich dem CD-Spieler genähert hat, unter dem Vorwand, die Musik ausstellen zu wollen. Diese Person ist der Täter.“ Den Personen, die bei der Entdeckung der Leiche anwesend waren, wird nach und nach klar, wen der blonde Detektiv meint und ein schockierter Ausdruck bildet sich in ihren Gesichtern, denn sie können kaum fassen, dass diese Person Frau Tatsumoto umgebracht haben soll. Dann spricht es Toru Amuro aus: „Der Mörder sind Sie...“ Seine Hand deutet auf die für den Kellner schuldige Person und mit einem ernsten Blick, aber auch selbstbewusstem Lächeln starrt er dem Killer in die Augen. „Jinpei Furizawa, Sie waren es!
      Im nächsten Moment richten sich alle Augen auf den Beschuldigten, der inmitten der Tatverdächtigen steht und den blonden Detektiv ungläubig anstarrt. Die anderen drei möglichen Täter sind einerseits erleichtert, dass nicht sie für den Mord verantwortlich gemacht werden, doch im selben Moment können sie selbst nicht glauben, dass Furizawa Rikas Mörder sein soll. Aber die Schlussfolgerung von Toru Amuro klingt plausibel und so sehr es die Bekannten des Sängers nicht wahr haben wollen, alles passt ins Bild und es wird Realität: Sie stehen gerade wahrscheinlich neben einem Mörder und es beschäftigt sie die Frage: Wie ist aus dem Sänger ein mordender Verbrecher geworden?
      Auf einmal ertönt zur Überraschung aller ein langsamer Applaus im Zimmer des Opfers und als die Anwesenden ausmachen können, woher dieses Klatschen stammt, wird klar, dass es hämisch gemeint sein muss. „Bravo, bravo, einfach großes Kino. Diese Show ist reif für die große Bühne. Vielleicht sollte ich mal einen Song darüber schreiben. Oder was ist mit Ihnen, haben Sie schon überlegt, Schauspieler zu werden? Als Detektiv sind Sie ja nicht so der Bringer.“, ätzt Jinpei Furizawa gegen den blonden Detektiv.
      Für einen Moment herrscht plötzlich Stille am Ort des Geschehens, als hätte der Sänger alle sprachlos werden lassen. Doch nach einem kurzen Moment der Ruhe bricht Toru Amuro in ein spöttisches Lachen aus, als hätte er sich das von seinem Lehrmeister Kogoro abgeschaut. „Hey, was gibt es denn da zu lachen, Blondschopf? Wenn du mit deinem Gelächter dein Scheitern übertünchen willst, dann wird dir das nur schwer gelingen.“, zeigt sich Furizawa wütend, so etwas muss er sich als Star nicht bieten lassen. „Ach, wissen Sie...“, setzt Amuro nach Beendigung des Gelächters an. „Ich finde es nur zum Lachen, wie ein eindeutig überführter Täter immer noch versucht, alles abzustreiten.“
      „Was wollen Sie damit sagen? Ich bin kein Mörder. Mag zwar sein, dass ich die Musik abgeschaltet habe, aber wer sagt denn, dass es so gewesen sein muss? Ihre Angelschnurtricks sind doch an den Haaren herbeigezogen. Sie können mir nichts nachweisen!“, wehrt sich der Sänger gegen die Vorwürfe, doch für Amuro ist das nur das Stichwort gewesen. „Beweise... Sie wollen welche und Sie werden Sie bekommen.“, erwidert der Kellner und erklärt: „Ich habe es bereits gesagt, Sie haben die Angelschnur entfernt, als Sie den CD-Player ausgeschaltet haben. Sie konnten davon ausgehen, dass alle Aufmerksamkeit der Leiche gelten würde, sodass keiner auf sie achten würde, das war ihre Chance. Zusätzlich kam noch das Feuerwerk hinzu, damit konnten Sie nicht rechnen, es war die Überraschung von Frau Tatsumoto, aber es spielte Ihnen in die Karten.“
      „Und? Was soll diese lahme Theorie? Jemand ist der Mörder, weil er die Musik abstellt? Lächerlich! Wo ist denn dann ihre ach so tolle Angelschnur? Bei mir wurde nichts gefunden.“, streitet Furizawa mit Verachtung für Amuros Schlussfolgerungen die Anschuldigungen ab. „Stimmt, es wurde nichts gefunden... weil Sie die Angelschnur entsorgt haben. Als die Polizei eingetroffen ist und den Tatort untersucht hat, waren wieder alle Augen auf das Geschehen im Zimmer gerichtet, aber nicht auf Sie. Das haben Sie genutzt und heimlich die Schnur in den Papiereimer im Flur, direkt vor dem Raum des Opfers geworfen. Da Sie die Tatwaffe verschwinden ließen, mussten Sie auch mit einer Leibesvisitation rechnen und deshalb die Schnur vorher beseitigen. Und in einem Mülleimer fällt das niemandem auf.“
      „Aber Amuro-san, ich kann in diesem Papierkorb nichts ausmachen.“, erwidert Kogoro, der mit dem Kopf beinahe in die Ansammlung von Papierkugeln eingetaucht ist und den Mülleimer mit seinem detektivischen Blick untersucht. „Sie werden dort auch nichts mehr finden... denn ich habe die Angelschnur hier!“ Toru Amuro holt aus seiner schwarzen Weste ein kleines Tütchen hervor, in der er die Angelschnur mit einem Stück Klebeband am einen Ende eingepackt hat und diese Angelschnur zieht die Blicke der anderen auf sich, als würde Amuro einen Klumpen Gold oder einen Schatz hochhalten.
      „Ich habe die Angelschnur vorhin im Papiereimer gefunden, das ist der unumstößliche Beweis dafür, dass Sie der Mörder sind, Furizawa-san. Schauen Sie mal hier.“ Der Kellner deutet auf eine rot gefärbte Stelle an der weißen Schnur. „Das ist Blut... Ihr Blut um genauer zu sein. Bei der Tat haben Sie möglicherweise noch Handschuhe getragen, die Sie zusammen mit der Tatwaffe im See ertränkt haben. Aber als wir die Leiche entdeckt haben, konnten Sie keine Handschuhe tragen, das wäre auffällig gewesen. Da ist ihr Blut an die Angelschnur gekommen, denn Sie haben doch diese kleine Wunde am Daumen, nicht wahr? Und Furizawa-san, wollen Sie die Tat immer noch leugnen?“, gibt sich Toru Amuro siegessicher, das drückt auch wieder sein Gesicht aus, und der Täter ist endgültig überführt.
      Es gibt keinen Ausweg mehr, kein Abstreiten, kein Leugnen... der Beweis ist erbracht und Jinpei Furizawa ist des Mordes an Rika Tatsumoto überführt. Der Mörder fällt auf einmal auf die Knie, kleine Tränen bilden sich in seinen Augenwinkeln, die sogleich über seine Wangen kullern und schließlich auf dem Boden landen, auf den der Sänger unaufhörlich mit der Faust umhämmert: „Warum? Warum? Warum nur?“, klagt der am Boden zerstörte Täter. „Warum nur musste ein so brillanter Detektiv heute Abend vor Ort sein? Ich dachte mein Plan wäre perfekt.“
      Toru Amuro bleibt stumm, doch in seinen Gedanken kann er sich ein „Tja, Pech gehabt“ nicht verkneifen, während der Butler wissen möchte: „Aber... warum... warum musste die Herrin sterben? Warum haben Sie Rika umgebracht? War es wegen den Schulden?“ - „Pfft, Schulden. So ein Quatsch!“, entgegnet Furizawa. „Das war eine Lüge. Ich habe keine Schulden bei ihr gehabt. Aber Sie wollte Geld von mir... das Miststück hat mich erpresst!“ Diese Offenbarung ist ein Schock für die Beteiligten, denn obwohl Rika ihren Sohn schlug und kein Blatt vor den Mund nahm, so etwas hätten ihre Bekannten dem Model dann doch nicht zugetraut. „Was meinen Sie damit?“, fragt Kanabe, der zwar Rikas engster Vertrauter war, aber davon nicht den Hauch einer Ahnung hatte.
      „Heute Abend hat Rika doch wieder so eine Bemerkung gemacht... ich wäre privat ganz anders als auf der Bühne. Das war eine bewusste Anspielung... denn sie wusste etwas von mir... Auf der Bühne... da bin ich der Sänger, der mit emotionalen Liebesliedern die Hallen füllt und alle begeistert... Aber welcher Teufel hat mich nur geritten? Ich bin seit 8 Jahren mit meiner Frau verheiratet, aber in letzter Zeit... wir befinden uns in einer Krise... und vor einigen Wochen bin ich leider fremdgegangen!“
      Nach dem Tatgeständnis folgt nun die nächste Beichte, auch wenn diese die Polizei wohl weniger interessieren dürfte als die Klatschpresse. Unter Tränen und mit zitternder Stimme berichtet der Sänger von seinem Seitensprung, doch damit ist sein Motiv noch nicht komplett und wütend fährt er fort: „Ich habe extra darauf geachtet, dass ich nicht erwischt werde... aber wie es der Zufall so wollte, musste ausgerechnet dieses Biest Wind von der Sache bekommen. Rika hat sogar Fotos gemacht, Sie wollte mich damit erpressen. Erst wollte sie nur eine kleinere Summe, wahrscheinlich wollte sie schauen, was sie so machen kann, ob ich überhaupt auf ihre Forderungen eingehen würde, aber dann... 2 Millionen Yen forderte sie, sonst würde Sie es meiner Frau und den Medien erzählen, das hätte meine Karriere zerstört!“
      Ran kann mit dem Sänger, den sie selbst gerne im Radio oder auf CD gehört hat, mitfühlen und seine Geschichte löst das Anfeuchten ihrer Augen aus, nur mit Mühe kann sie die Tränen zurückhalten, doch für seine Affäre hat auch sie kein Verständnis übrig. Furizawa erzählt weiter: „Und selbst heute, an Weihnachten konnte Rika nur ans Geld denken und hat mich darauf angesprochen... Ich habe die Tat vorbereitet, aber wollte ein weiteres Mal mit ihr sprechen, bin zu ihr aufs Zimmer, ich wollte nochmal mit ihr reden, sie fragen, ob sie mit der Erpressung nicht aufhören wolle. Aber nein, sie lehnte ab, die Erpressung wäre weiter gegangen, selbst nach den 2 Millionen Yen. Ich hatte keine Wahl, ich musste Rika umbringen. Diese geldgierige Schlange! Rika war doch selbst Schuld!“
      „Nein!“, entgegnet Toru Amuro mit fester Stimme, entschlossen, Furizawa vom Gegenteil zu überzeugen. „Frau Tatsumoto trifft gar keine Schuld, nicht im Geringsten. Sie allein, Furizawa-san, sind für Ihre missliche Situation verantwortlich. Wenn Sie nicht fremdgegangen wären, dann hätte niemand Sie jemals damit erpressen können. Diese Affäre brachte den Stein doch erst ins Rollen und das war allein ihr Fehler. Die Liebe ist etwas Kostbares, man sollte sie schützen wie einen Schatz, der Partner sollte an erster Stelle stehen. Wofür haben Sie denn sonst geheiratet? Sie hatten also Angst, dass Frau Tatsumoto ihre Karriere zerstören könnte? Das haben Sie mit ihrem Seitensprung schon selbst geschafft. Und Mord ist auch keine Lösung, denn nun ist ihre Karriere ebenso im Eimer. Auf diese Story wird sich die Presse stürzen wie die schwarzen Raben auf das Aas. Selbst Schuld, Furizawa-san, selbst Schuld!“
      Kein Mitleid, nicht einmal ein Hauch davon. Toru Amuro gibt nichts auf die Geschichte des Sängers, das Motiv interessiert den blonden Detektiv überhaupt nicht, einen Mord kann man ohnehin nicht rechtfertigen. Jinpei Furizawa bekommt sein Scheitern aufgezeigt und nicht nur seine Karriere, sondern sein gesamtes Leben liegt nun vor ihm wie ein Scherbenhaufen. Megure hat ebenso wenig Mitgefühl wie Amuro, für Mörder hat der Polizist solche Gefühle nicht übrig, und ohne langes Zögern ordnet er die Festnahme von Furizawa an, das Klicken der Handschellen besiegelt sein Schicksal. Unter den Augen aller anwesenden Personen wird der zum Mörder mutierte Sänger abgeführt, aber nicht ohne Tränen: Seine Bekannten schauen dem Verbrecher noch fassungslos hinterher, auch Ran kann ihr Weinen nicht mehr zurückhalten und der Mörder Furizawa vergießt bittere Tränen der Schuld.
      Conan staunt über den von Bourbon gelösten Fall, das muss er dem blonden Detektiv schon lassen. Eine ausgezeichnete Beweisführung und hervorragende Schlussfolgerungen, das zollt dem geschrumpften Shinichi schon Respekt ab, den er auch zuvor schon vor dem Mitglied der Organisation hatte, und er muss seinen imaginären Hut vor dieser Leistung ziehen. Dennoch überwiegt bei Conan der Ärger darüber, dass er nicht selbst diesen Fall lösen konnte, sondern Amuro den Vortritt lassen musste. „Verdammt, dieser Kerl hat aber auch unverschämtes Glück gehabt. Und ich Idiot verwehre ihm noch den Zutritt zum Bad... in der Zeit hat er bestimmt den entscheidenden Beweis gefunden. Gut geschlussfolgert, Bourbon... aber das lasse ich sicher nicht ein weiteres Mal zu, darauf kannst du dich verlassen. Der nächste Fall gehört mir.“



      ***



      „Hahahahahaha.“, schallt das laute Lachen von Kogoro Mori in die Nacht hinaus, während er mit seiner Tochter Ran, Conan und Toru Amuro die Villa verlässt und über den roten Teppich vor dem Eingang schlendert. „Ausgezeichnete Arbeit, Amuro-kun! Das war ja nicht anders zu erwarten von meinem besten Lehrling!“, schmeißt der Privatdetektiv mit Lob um sich, während Conan mit einem sarkastischen Blick denkt: „Er ist ja auch dein einziger Lehrling.“
      Auf einmal legt Kogoro seinen Arm um den Hals des blonden Detektivs und klopft ihm auf die Schulter, während er gleichzeitig mit der anderen Hand so überschwänglich über den Kopf von Amuro streichelt, dass dessen blonde Haare verstrubbelt werden. „Du bist ein wahrer Goldjunge, Amuro-kun! Kein Wunder, ich, der fantastische Kogoro Mori, lasse dir die Ehre zuteil werden, mir über die Schulter zu schauen. Du machst wunderbare Fortschritte, noch nicht so brillant wie ich, aber du bist auf dem richtige Weg. Hahahahahaha.“
      „Vielen Dank, Mori-sensei, ich darf mich glücklich schätzen, dass ich unter Ihnen so viel lernen darf und kann.“, entgegnet Toru Amuro, während er sich seine blonde Frisur wieder zurecht rückt. „Aber das war nur ein Fall, dazu noch der Giftmord zuletzt im Haido-Krankenhaus... Ich bin noch lange nicht so weit wie Sie, Sensei. Ich muss noch hart arbeiten, bis ich mich mit Ihnen messen kann.“, gibt sich der Kellner bescheiden.
      Weniger überschwänglich, sondern recht nüchtern zeigt sich Megure, der den Moris und Amuro am Tor des Grundstücks Tatsumoto entgegenkommt. „Vielen Dank, Amuro-san. Sie haben der Polizei bei diesem schwierigen Fall sehr geholfen. Dank Ihnen konnten wir den Mord aufklären und den Täter überführen. Ich hoffe, Sie werden uns in Zukunft öfter eine so große Hilfe sein.“ Der blonde Detektiv entgegnet mit einem fröhlichen Lächeln, dann dreht sich Megure auch schon wieder um und steigt in den Polizeiwagen, der Jinpei Furizawa ins Gefängnis bringen wird.
      „So, wir werden uns dann auch mal auf den Weg machen. Wir müssen nochmal nach Hause, bevor wir heute Abend auf das Konzert von Yoko-chan gehen. Frohe Weihnachten,, Amuro-kun“, verabschiedet sich Kogoro mit Weihnachtswünschen von Amuro und gerät nur bei dem Gedanken an sein Popidol schon wieder ins Schwärmen. Toru Amuro wünscht den Moris ebenfalls ein frohes Fest, dann folgen Ran und Conan dem Privatdetektiv zu dessen Leihwagen. Conan wirft dabei einen Blick zu Bourbon zurück, das Organisationsmitglied kontert mit dem typischen Grinsen, bevor auch Conan sich dem Auto von Kogoro nähert.
      Bourbon stapft durch den Schnee zu seinem weißen Mazda RX-7 und schwenkt den Autoschlüssel in seiner Hand, als auf einmal sein Handy zu klingeln beginnt. Verwundert darüber, wer ihn zu so später Stunde noch anruft, fummelt er das Smartphone aus der schwarzen Weste und nimmt den Anruf ohne Zögern entgegen. „Toru Amuro. Wer ist da?“ Kaum hat er sich dem Anrufer vorgestellt, bekommt er Dutzende von Wörtern zu hören, die ihm in sein rechtes Ohr gesprochen werden wie ein unendlicher Redefluss, doch er nimmt kaum eines dieser Wörter wahr, denn seine Aufmerksamkeit gehört schon wieder den Moris.
      „Jetzt beruhige dich doch, Paps.“, versucht Ran ihren Vater zu besänftigen, doch der lässt nicht mit sich reden. „Was heißt hier beruhigen? Dieser Wagenverleih wird was von mir zu Hören bekommen! Es ist doch immer das Gleiche mit diesen Schrottkarren, immer wieder bleiben die im ungünstigsten Moment stehen.“ Kogoro tritt nun wütend gegen die Tür des Leihwagens. „Paps, hör auf, du machst das Auto kaputt!“ - „Kaputt ist die Rostlaube doch eh schon. Der Motor läuft nicht, wir stehen hier bei eisiger Kälte mitten in der Pampa. Wir wollen doch heute Abend noch zu Yoko-chans Konzert.“ Conan wirft währenddessen seinem „Onkel“ einen genervten Blick zu, er kennt ja die Macken des Privatdetektivs, aber der Auftritt von Yoko Okino gehört für den kleinen Jungen nun wirklich nicht zum Hauptproblem.
      „Gibt es ein Problem, Mori-sensei? Kann ich Ihnen vielleicht helfen?“, mischt sich auf einmal Toru Amuro in den Streit ein, der intuitiv den Anrufer wegdrückt und das Handy wieder in seiner Westentasche verstaut. „Das Problem ist: Der Motor von dem Wagen springt nicht an und wir stehen hier wie Eiszapfen.“, erklärt Kogoro seine missliche Lage, doch der blonde Detektiv bietet ohne zu zögern seine Hilfe an: „Wie wäre es dann, wenn Sie in meinem Wagen mitfahren? Ich bringe Sie zur Detektei.“
      „Nein!!!“, brüllt es plötzlich aus Conan heraus, wie aus der Pistole geschossen sträubt sich der geschrumpfte Detektiv gegen den Vorschlag des Organisationsmitglieds und noch bevor er über seine Aussage nachdenken kann, ist sein Veto schon ausgesprochen. Daher ist es kaum verwunderlich, dass Kogoro und Ran den kleinen Jungen überrascht anschauen, denn eigentlich kommt Amuros Hilfe wie gerufen, sie abzulehnen wäre doch eine Dummheit.
      „Was heißt hier Nein, du Nervenzwerg? Das hast du gar nicht zu entscheiden!“, schimpft Kogoro mit Conan und verkneift sich einen Schlag auf dessen Kopf. „Sei doch dankbar, dass Amuro-kun uns helfen möchte. Er hat uns schonmal Sandwiches geschenkt, war eine große Hilfe beim heutigen Fall und nun bietet er uns eine Möglichkeit an, heimzukommen. Geschenkter Gaul und so... dem schaut man nicht in Maul.“
      „Aber wir könnten doch Professor Agasa anrufen, der fährt uns bestimmt auch zur Detektei.“, macht Conan einen Gegenvorschlag, doch Ran entgegnet: „Aber der Professor schläft sicher gerade und bis er da wäre, würde es noch dauern. Jetzt hab dich nicht so, sei nicht so schüchtern. Du kennst doch Amuro-san, er ist kein Fremder und sehr nett.“ Ja, Conan kennt Toru Amuro, oder besser gesagt er kennt Bourbon, das Mitglied der Schwarzen Organisation. Und genau aus diesem Grund weiß Conan, dass er nicht so nett ist, wie er vorgibt zu sein. Zu diesem Verbrecher ins Auto zu steigen, scheint dem geschrumpften Shinichi keine gute Idee, doch er hat wohl keine andere Wahl, denn bevor er weitere Widerworte hervorbringen kann, sind Kogoro und Ran schon in den Sportwagen gestiegen und Ran ruft ihm zu: „Komm schon, Conan, steig endlich ein.“



      ***



      Der weiße Mazda RX-7 fährt durch die verschneiten, leeren Straßen der japanischen Hauptstadt, auf dem Weg nach Beika zur Detektei Mori. Neben dem Fahrer Toru Amuro sitzt Kogoro mit einem fetten Grinsen im Gesicht, sei es aufgrund des gelösten Mordfalls seines Lehrlings oder aus Vorfreude über das anstehende Konzert von seinem Lieblings-Star Yoko Okino, das er in einigen Stunden besuchen wird, denn das Popidol hat dem Privatdetektiv und seiner Familie Backstage-Karten besorgt.
      Auf dem Rücksitz haben Ran und der weiterhin misstrauische Conan Platz genommen. Der kleine Junge schaut immer wieder mit Skepsis in den Innenspiegel des Sportwagens, den Augenkontakt zu Bourbon suchend, der wiederum durch eben diesen Spiegel erkennt, dass er unter Beobachtung steht. Währenddessen ist Ran in Gedanken versunken, das junge Mädchen beschäftigen die Worte, die Toru Amuro bei der Fallauflösung zu Jinpei Furizawa gesagt hat. „Die Liebe ist also etwas Kostbares... der Partner steht an erster Stelle... aber, wenn das so ist... Warum ist Shinichi dann nicht hier... bei mir? Nichtmal an Weihnachten, dem Fest der Liebe ist er zu Besuch gekommen... Er arbeitet immer noch an diesem Fall... Ist ihm dieser Fall wichtiger als ich? Wenn er mich wirklich lieben würde... müsste ich dann nicht an erster Stelle stehen?“
      Ran muss sich schon sehr anstrengen, damit ihr nicht ein weiteres Mal die Tränen übers Gesicht laufen, was ihr glücklicherweise gelingt. Doch genau wegen Amuros Moralpredigt brennt ihr seitdem eine Frage auf der Seele, die sich das Mädchen nun zögerlich traut zu stellen. „Amuro-san? … Also, ich würde da gerne... etwas wissen...“ - „Schieß los, wir sind gleich bei der Detektei.“ - „Naja,... was Sie vorhin über Liebe gesagt haben...“ - „Was ist damit? Beschäftigt dich das? Geht es um diesen Jungen, der seit einiger Zeit weg ist? Der, von dem du erzählt hast... Shinichi war sein Name, richtig?“
      Unglaublich, es ist fast, als könnte der blonde Detektiv Gedanken lesen, als würde er in Rans Gesicht lesen wie in einem offenen Buch. Ran kann kaum glauben, dass Amuro das herausfinden konnte, aber das macht scheinbar einen guten Detektiv aus. Conans Gesicht wird leicht rot: „Was wird das denn jetzt? Was will sie denn jetzt fragen?“ Wenn es um ihn und Ran geht, wird der geschrumpfte Shinichi immer hellhörig und gespannt erwartet er Rans Frage. Kogoros Tochter errötet, dann möchte sie wissen: „J...ja, das auch... Aber was ich eigentlich wissen wollte... weil Sie so darüber gesprochen haben... Amuro-san... Haben Sie auch eine Partnerin, die für Sie an erster Stelle steht?“
      Mit einem gekonnten Steuermanöver lenkt Toru Amuro seinen weißen Mazda in eine Linkskurve und fährt die letzten Meter, dann bringt er sein Auto vor dem Café Poirot zu stehen, sie sind an der Detektei Mori angekommen. „Hey Mausbein, was soll denn der Quatsch? Das ist doch privat, dich geht das gar nichts an.“, nörgelt Kogoro mit Unverständnis. Der blonde Detektiv blickt durch den Innenspiegel auf die Rückbank seines Sportwagens, dann setzt er ein Lächeln auf und antwortet auf Rans Frage: „Ja... ich habe eine Partnerin.“
      Diese Antwort zaubert Ran ein kleines Lächeln ins Gesicht, am liebsten würde sie noch wissen, wer denn diese Partnerin ist, doch andererseits ist es ihr zu unangenehm, weitere Fragen zu Amuros Privatleben zu stellen, daher gibt sie sich damit zufrieden und steigt mit Kogoro und Conan aus dem Mazda aus. Während Kogoro noch einen Abstecher in die Detektei macht, um seine Yoko Okino-Fanartikel beisammen zu suchen und sich auf das Konzert am Abend vorzubereiten, gehen Ran ud Conan schonmal in Wohnung, wo eine besondere Überraschung auf Ran wartet.
      „Was ist das? Ein Päckchen vor unserer Tür? Wer könnte das dort abgestellt haben?“, fragt Ran, doch ein Gefühl verrät ihr schon, wer der Absender des Geschenks sein könnte, zumindest hofft Ran sehr stark, dass diese Person ihr ein Präsent zu Weihnachten gemacht hat. Und tatsächlich, an dem Geschenk ist ein Brief angebracht, auf diesem steht: „Von Shinichi.“ Das Lächeln auf dem Gesicht des jungen Mädchen wird größer und ungeduldig nimmt sie den Brief an sich, um ihn gleich zu lesen.
      „Liebe Ran, es tut mir sehr Leid, dass ich selbst an Weihnachten nicht bei dir sein kann, um dieses Fest der Liebe und Familie mit dir zu feiern. Leider nimmt mich dieser schwierige Fall immer noch ein und er verlangt meine volle Aufmerksamkeit. Du kennst doch deinen Krimi-Spinner, ich muss immer erst einen Fall lösen, sonst lässt mir das keine Ruhe. Und ein Shinichi, der an Weihnachten anwesend, aber mit den Gedanken bei einem anderen Fall ist, wäre doch auch nicht das Wahre. Ich vermisse dich sehr, Ran und hoffe, dass du auch ohne mich ein fröhliches Fest feiern kannst. Ich werde mein Möglichstes tun, um den Fall abzuschließen und schnell wieder bei dir zu sein. Nächstes Jahr verbringen wir Weihnachten gemeinsam, versprochen. Frohe Weihnachten. Dein Shinichi.“
      Gleichzeitig bilden sich einerseits ein liebevolles Lächeln, andererseits aber auch kleine Tränen in Rans Gesicht, natürlich vermisst sie Shinichi ebenso, sie vermisst ihn eigentlich schon viel zu lange. Doch diese Nachricht macht ihr Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen mit ihrem Krimi-Spinner, dann bemerkt sie noch die letzte Zeile des Briefs: „P.S. Viel Freude mit meinem Geschenk.“ Das Geschenk, das hat Ran bei dem Brief und den damit verbundenen Gefühlen schon völlig vergessen und neugierig packt sie das Präsent nun aus, ein Symbol für ihr letzte Wiedersehen mit Shinichi, fürden Ort, als sie Shinichi zum letzten Mal begegnet ist: Eine Schneekugel mit dem Londoner Big Ben.
      Ran schüttelt die Schneekugel und beobachtet den fallenden Schnee auf das Wahrzeichen der englischen Hauptstadt. Das letzte Treffen mit Shinichi vor dem Glockenturm liegt nun auch schon eine Weile zurück, doch dieses Geschenk nährt ihre Hoffnung auf die Rückkehr ihres Sandkastenfreundes. Ran steht immer noch vor der Haustür, das Geschenk hat sie alles vergessen lassen, weshalb sie die Wohnung immer noch nicht betreten hat. Währenddessen hat Conan beobachtet, wie Ran den Brief gelesen und das Geschenk ausgepackt hat. Ihr Gesicht spricht mehr als tausend Worte, ihre Freude darüber erfreut natürlich auch den kleinen Jungen, der das Päckchen vor der Abfahrt zur Weihnachtsfeier vor der Wohnung der Moris abgelegt hat. In Gedanken wünscht Conan, oder besser gesagt Shinichi Ran: „Frohe Weihnachten.“



      ***



      „Amuro-san! Was machen Sie denn noch hier?“, ruft auf einmal eine weibliche Stimme den Namen des Kellners, der soeben den Motor seines Wagens wieder starten wollte, um abzufahren. Ein Blick auf das Café Poirot, verrät ihm, dass es seine Kollegin Azusa Enomoto ist, die aus dem Café gelaufen kommt, um den blonden Detektiv an der Abfahrt zu hindern. „Was machst du denn noch hier, Azusa-san?“, wundert sich Amuro, der das Fenster seines Autos nun heruntergekurbelt hat. „Na, du weißt doch, die Weihnachtsfeier im Poirot. Ich habe noch aufgeräumt, sonst hätten wir nächstes Mal einen Sauhaufen betreten. Schade, dass Sie nicht da waren.“
      „Tut mir wirklich Leid, ich wäre gerne dabei gewesen, aber ich hatte zu tun. Vielleicht nächstes Jahr.“, sagt Amuro, der dabei ist, loszufahren, doch die Kellnerin hält ihn mit einem Zwischenruf noch auf: „Warten Sie, Amuro-san! Würden Sie kurz mit ins Café kommen? Ich habe noch etwas für Sie.“ Eigentlich wollte der blonde Detektiv schon längst zuhause sein, aber es wartet ja sowieso keiner auf ihn und außerdem wird es schon nicht so lange dauern, sagt er sich, daher steigt er schnell aus dem Auto aus und folgt seiner Kollegin in das Café.
      Azusa rennt eilig hinter den Tresen und scheint etwas zu suchen, während Amuro wartet, dann kommt die junge Frau wieder hervor und posaunt ein fröhliches: „Tadaaaaaa!“ In ihren Händen hält sie ein dunkelblaues Hemd und eine rote Schürze, die bei dem Detektiv eine verwunderte Miene hinterlassen. „Das ist das zukünftige Outfit der Poirot-Mitarbeiter. Unser Chef hat heute auf der Feier verkündet, dass wir ab sofort einheitlich gekleidet sein werden, wenn wir arbeiten. Das ist deine Uniform.“, erklärt Azusa und sagt mit Freude: „Außerdem hat der Chef uns ein lukratives Weihnachtsgeld angekündigt.“ - „Das ist ja großartig. Vielen Dank für die Neuigkeiten und richte dem Chef meine Grüße aus. Ich hole die Uniform beim nächsten Mal ab.“
      Kaum hat Toru Amuro diese Worte ausgesprochen, verlässt er das Café Poirot schneller als Azusa gucken kann und das helle Klingeln der kleinen Glocke über der Tür läutet seinen Abschied ein. Der Kellner hat schon mehr als genug Zeit verloren und vergangene Nacht kaum geschlafen, weil das Mysterium um den Tod von Shuichi Akai ihm keine Ruhe gelassen hat, daher wünscht er sich nun endlich ins Bett, um am nächsten Morgen mit klarem Kopf wieder aufzuwachen. Hastig steigt er wieder in den Mazda RX-7 ein und steckt den Autoschlüssel ins Zündschloss, um losfahren zu können, doch... Plötzlich hört er mit seinem linken Ohr ein lautes Knacken... An seiner linken Schläfe befindet sich eine geladene Waffe!
      Doch Bourbon bleibt ganz cool und erhascht durch den Innenspiegel einen Blick auf die Blondine auf dem Rücksitz, die ihm die Pistole an den Kopf hält. „Wird ja Zeit, dass du da bist.“, spricht ihn die Frau an, dann klettert sie von der Rückbank auf den Beifahrersitz, die Waffe immer noch auf den blonden Mann gerichtet. „Fahr zu meiner kleinen Apartmentwohnung.“, fordert die Blondine und wie befohlen startet Bourbon den Motor und fährt los, anschließend grinst er seiner Beifahrerin ins Gesicht. „Willst du mir etwa drohen? Du weißt, was passiert, wenn ich draufgehe... Vermouth!“
      „Klar ist mir das bewusst.“, entgegnet die geheimnisvolle Frau mit einem fiesen Lächeln, während sie mit ihrem Finger am Abzug herumspielt. „Was sollte das heute Abend? Ich habe zig mal versucht, dich anzurufen, aber dein Handy war aus und als ich dich endlich mal erreicht habe, legst du plötzlich auf?“, beschwert sich Vermouth, aber Bourbon, die Augen nun wieder auf der Straße, erwidert: „Sei doch froh, dass ich dich vor der Polizei gewarnt habe. Wenn ich dir keine SMS geschrieben hätte, bevor die Bullen da waren, wärst du nicht so leicht von der Villa weggekommen.“ - „Thank you.“, bedankt sich Vermouth mit einem negativen Unterton, doch sie nimmt nun die Waffe von der Schläfe ihres Partners.
      „Du hast das arme Mädchen aber ganz schön verschreckt. Sie hat gedacht, dass sich dunkle Gestalten im Wald herumtreiben. Oder ein verstörter Stalker.“ - „She´s an Angel.“, sagt Vermouth mit einem Lachen. „Zumindest hat sie nicht falsch gelegen. Ich bin doch eine schwarze Gestalt. Woher wusstest du eigentlich, dass ich mich in dem Wald versteckt habe?“ - „Durch das Feuerwerk. Das Licht hat die Umgebung erleuchtet und mir ging dann ein Licht auf. Ich habe dich gesehen und bevor die Polizei eintrifft, musste ich dich ja da rausbringen.“, erklärt Bourbon. „Übrigens hatte Ran auch mit dem Stalker Recht. Verfolgst du mich oder was hast du in dem Wald gesucht?“
      „Ich muss doch meinen Komplizen im Auge haben. Die meisten Mitglieder der Organisation schwärmen aus, um an Weihnachten Aufträge des Bosses zu erfüllen. Und du hast keine Zeit. This is strange, isn´t it?“, erklärt die Blondine, doch der Detektiv kauft ihr das nicht ab. „Du bist stutzig geworden, weil ich nicht zum Hauptquartier kommen wollte, nicht wahr? Und du wolltest mit mir etwas besprechen. So ist es doch, oder Vermouth?“ Stille, seine Komplizin gibt sich so geheimnisvoll wie immer und hüllt sich in Schweigen. „Aber erkläre mir erstmal, woher du wusstest, dass ich bei dieser Villa bin. Bist du in mein Zimmer im Hauptquartier eingebrochen, oder was?“
      „Tja, deine Schuld, wenn du mir zeigst, wie man Schlösser knackt. Das ist wirklich sehr nützlich. Ich fand es merkwürdig, warum der Boss dir keinen Auftrag gibt und mir so viel aufhalst, was zu unserer Abteilung gehört. Und in deinem Terminplaner habe ich gelesen, wo du dich aufhälst.“, kontert Vermouth. „Und du hast die Aufträge sausen lassen? Anokata wird nicht glücklich darüber sein.“ - „Idiot! Glaubst du, ich brauche ewig? Ich hab die Drecksarbeit gemacht und bin dir dann gefolgt.“ - „Also doch Stalker.“ - „Shut up!“
      „Woher wusstest du, dass ich jetzt beim Café bin? Hast du einen Peilsender an meinem Auto angebracht?“, möchte Bourbon wissen und die geheimnisvolle Frau steht ihm Rede und Antwort: „Ich habe auf dich gewartet. Ich hatte meine Harley etwas von der Villa entfernt abgestellt und bin nach deiner SMS weggefahren. Dann habe ich versucht, dich zu erreichen, aber du schaltest dein Handy ab und bist mit dem Fall beschäftigt, wie du mir noch geschrieben hast. Und vorhin habe ich gesehen, wie du aus der Alles rausgefahren kamst, da bin ich euch hinterher und habe mein Motorrad in einer Seitengasse in der Nähe des Detektei abgestellt, das hole ich morgen noch ab.“
      In diesem Moment kommt der weiße Mazda vor der Apartmentwohnung der Blondine an und ohne Zögern steigt Vermouth aus und fordert Bourbon auf, ihr zu folgen, doch dieser entgegnet: „Geh schonmal vor, bin gleich da.“ Kaum ist die geheimnisvolle Frau weiter weg von seine Wagen, kramt der Detektiv im Handschuhfach herum und holt einen Gegenstand hervor, mit der er sich zur Wohnungstür begibt.
      Als Bourbon das kleine Apartment von Vermouth mit dem Laptop auf dem Schreibtisch und der Dartscheibe an der Wand betritt, hat die Blondine ihren Motorradanzug gegen ein schwarzes Kleid getauscht und empfängt ihn mit einem „Merry Christmas, Bourbon.“ In der einen Hand hält sie ein Sektglas, dass sie ihrem Partner entgegenhält, während sie mit der anderen Hand ein Geschenk umklammert. „Frohe Weihnachten, Vermouth.“, wünscht ihr Bourbon, der ebenso ein Präsent für die Blondine bereithält.
      „Das ist ein Zufall, wir wollten wohl beide die Möglichkeit nutzen, um unseren Partner zu beschenken.“, lächelt Bourbon, der sein Geschenk für Vermouth auf einem Tisch abstellt: Eine große Flasche Sherry. „Wenn ich mich recht erinnere, trinkst du den doch so gerne.“ - „Thank you very much, Bourbon. That´s correct.“, sagt sie mit Freude, aber dennoch hat sie etwas auszusetzen: „Ich habe mir aber immerhin die Mühe gemacht, das Geschenk einzupacken.“
      In der Tat, mit schwarz-weißem Geschenkpapier ist das Präsent verziert, das sie Bourbon nun unter die Nase hält. „Mach es auf.“ Dazu lässt sich der blonde Detektiv nicht zweimal bitten und innerhalb weniger Sekunden offenbart sich ihm sein Weihnachtsgeschenk von Vermouth: Eine Ausgabe vom Sherlock Holmes-Roman „Eine Studie in Scharlachrot“, geschrieben von Sir Arthur Conan Doyle.
      „Der Krimi hat dir doch noch gefehlt, jetzt hast du wieder Lesestoff, my great detective.“, sagt Vermouth, die im nächsten Augenblick das Sektglas neben dem Sherry auf dem Tisch abgestellt hat und Bourbon umarmt. „It´s a pleasure to work with you. I couldn´t imagine a better accomplice. Merry Christmas.“, spricht Vermouth zu Bourbon, der sichtlich überrascht, aber nicht sprachlos ist: „Danke, es ist mir eine Ehre, dein Partner zu sein. Frohe Weihnachten.“
      Nach einigen Sekunden lösen sich die beiden Organisationsmitglieder aus der Umarmung und Vermouth schlägt vor, gemeinsam anzustoßen und holt nun ihr eigenes Sektglas dazu. „Cheers!“, sagt sie und im nächsten Moment ertönt das helle Geräusch zweier zusammenstoßender Gläser, bevor sie an ihrem Sekt nippen. Anschließend begibt sich Vermouth zu dem Laptop, während sich Bourbon auf das Sofa setzt, dann erzählt die Blondine: „Oh, wie ich sehe habe ich hier viele E-Mails anderer Mitglieder der Organisation, ich muss alle erledigten Aufträge an den Boss weiterleiten. Gin war ja mal wieder sehr fleißig, der Killer macht seinem Ruf alle Ehre.“
      „Hast du etwas anderes von ihm erwartet?“, meint Bourbon, während er bereits die ersten Sätze des Holmes-Romans überfliegt. „Gin liebt es, zu morden, und er versteht sein Metier.“ - „Oho, solche Worte aus deinem Mund. Ich dachte, ihr versteht euch nicht?“, sagt Vermouth, als sie sich mit zwei Weingläsern zu dem blonden Detektiv aufs Sofa setzt. „Das ist auch so, Gin und ich sind wie Hund und Katze. Ich glaube, wir würden uns am liebsten wie die Krähen gegenseitig die Augen auskratzen und auspicken. Was hast du eigentlich mit den Gläsern vor?“
      Vermouth lacht amüsiert und beobachtet ihren im Roman vertieften Komplizen, dann antwortet sie: „Ich möchte gleich mal ausprobieren, was du mir da für einen Sherry geschenkt hast. Ich hoffe, du hast nicht so ein billiges Gesöff gekauft.“ - „Für dich nur das Beste, was ich finden konnte.“, entgegnet Bourbon, während seine Augen über die Wörter, Zeilen, Seiten fliegen. Doch auf einmal klappt die Blondine ihm das Buch vor der Nase zu und legt es auf den Tisch. „Leg den Krimi mal weg und lass uns anstoßen.“, meint Vermouth, die die Gläser schon mit dem Sherry gefüllt hat und Bourbon sein Glas in die Hand drückt. „Cheers!“



      ***



      Vermouth und Bourbon trinken insgesamt zwei Gläser Sherry und der blonde Detektiv hat nicht gelogen, die Flasche ist wirklich teuer gewesen und die Qualität des Weins wird diesem Preis mehr als gerecht. Doch mit der Zeit wird Bourbon müder, schließlich hat er in der vergangenen Nacht nur wenig geschlafen und kaum ein Auge zugedrückt und nun hat er einen anstrengenden Weihnachtstag hinter sich, weshalb er beschließt, sich nun von Vermouth zu verabschieden.
      „Ich gehe dann mal und wünsche dir eine gute Nacht.“, sagt Bourbon und schnappt sich den Roman auf dem Tisch, aber die blonde Frau lässt ihn noch nicht gehen. „Wait a moment. One last thing...“, sind die Worte, die den 29-Jährigen am Abschied hindern. „Hättest du morgen Abend Zeit? Ich habe für den 26. Dezember ein Restaurant reserviert. Die Adresse schicke ich dir noch zu.“
      Mit großen Augen starrt Bourbon die geheimnisvolle Frau an und es kommt nicht oft vor, dass ihm die Worte fehlen, doch Vermouth hat es in diesem Moment geschafft, der Kellner ist sprachlos. Nach einem Augenblick mit diesem verdutzen Gesichtsausdruck kann er eine zögerliche Zustimmung über die Lippen bringen: „J...ja, gerne. Ich habe morgen Abend nichts vor.“ - „Great!“, ist die Blondine äußerst erfreut über die Zusage ihres Partners. „Lass mich dich nicht zum Ausgang bringen.“
      Bourbon findet es etwas seltsam, dass Vermouth ihn jetzt noch zur Tür begleiten möchte, immerhin ist die Wohnung recht klein und nur wenige Meter trennen das Sofa vom Ausgang, er würde auch alleine aus dem Apartment hinausfinden. Aber so viel denkt sich der blonde Detektiv dann auch wieder nicht dabei und das Angebot abzulehnen wäre nun wirklich albern gewesen. Als die beiden Organisationsmitglieder an der Tür ankommen und er die Klinke betätigen will, greift Vermouth ihn plötzlich am Handgelenk und mit einem geheimnisvollen Blick schaut sie ihm in seine blauen Augen, um ihm dann zuzuflüstern: „You are in the trap!“
      „Trap? Welche Falle, Vermouth? Lass mich los!“, ist Bourbon sichtlich irritiert, denn das Verhalten seiner Komplizin wirft Fragen auf, die diese aber sogleich mit einem Fingerzeig nach oben beantwortet. „Look up.“, fügt die Blondine noch mit einem frechen Grinsen hinzu und ein Blick an die Zimmerdecke verrät Bourbon, in welcher „Falle“ er sich nun befindet: Dort angebracht hängt ein Mistelzweig.
      „Hey Vermouth... du glaubst doch nicht an so einen Quatsch.“, kontert Bourbon mit einer stoischen Ruhe und völliger Gelassenheit, ein Grinsen hat sich ebenfalls auf seinem Gesicht gebildet, als würde er Vermouths „Angebot“ in gewisser Weise genießen. „Why not?“, entgegnet sie mit einem Lächeln und auf einmal dreht sie ihren Partner zu sich und drückt ihn an den Schultern so gegen die Tür, dass es für ihn kein Entkommen mehr gibt. „Vermouth, hör auf mit diesem Spielchen. Du weißt genauso gut wie ich, dass du nicht der Typ für traditionelle Bräuche bist.“, zeigt sich Bourbon überzeugt davon, dass die Blondine das nicht durchziehen wird. Es wird nur eines ihres Späße sein, nie im Leben würde sie das ernst meinen.
      Doch Vermouth scheint Gefallen an diesem Spaß gefunden zu haben, denn auf einmal kommt sie mit ihrem Gesicht dem gebräunten Gesicht ihres Gegenübers immer näher und näher, und mit jedem Zentimeter überkommt Bourbon das Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt, dass dies kein Spaß ist, sondern dass Vermouth diesen Mistelzweig toternst meint. „Vermouth... Was ist los? … Sie wird doch nicht...“, denkt der blonde Detektiv. Dann ist Vermouth Bourbon so nah, dass sich ihre Lippen fast berühren und dann...
      PENG!!! Plötzlich ertönt ein großer, lauter Knall über den beiden Organisationsmitgliedern und wie aus dem Nichts regnet goldener Glitter auf sie herab. Völlig verdutzt schaut Bourbon drein, die Explosion hat ihm einen riesigen Schrecken eingejagt und sein Herz rast wie verrückt. Im Goldregen steht Vermouth vor ihm, nun wieder etwas weiter entfernt von dem Kellner und auf einmal bricht die Blondine in Gelächter aus. „Hahahahahahaha. Genial, du hättest dein Gesicht sehen sollen. Hahahahahaha. Besser hätte ich es mir nicht ausmalen können.“
      Innerhalb weniger Minuten hat die geheimnisvolle Frau Bourbon nun schon zum zweiten Mal sprachlos hinterlassen und nur langsam begreift er, welches Spiel hier gespielt wird, denn seinen Augen fällt sofort die kleine Fernbedienung in ihrer Hand auf, mit der sie den Zündmechanismus am Mistelzweig ausgelöst hat. „Hahahahaha. Das ist ein besseres Weihnachtsgeschenk als der Sherry. Hahahahahaha. Du hast doch nicht wirklich geglaubt...“
      Vermouth kann sich vor Lachen kaum halten, ihr Plan hat ins Schwarze getroffen wie der Dartspfeil auf der Scheibe in ihrem Apartment. Nun kommt Bourbon wieder zu sich, vom Schock erholt kehrt sein Grinsen wieder zurück. „Die Überraschung ist dir geglückt, Hut ab. Aber ich habe auch noch ein Ass im Ärmel... Wenn wir schon hier drunter stehen.“ Plötzlich macht Bourbon einen schnellen Schritt nach vorne und küsst Vermouth auf die Wange.
      Die Blondine weiß nicht, wie ihr geschieht, alles passiert in rasender Geschwindigkeit und bevor sie das überhaupt realisieren kann, hat der Detektiv die Tür schon aufgerissen und ist aus der Wohnung gegangen. „This guy... Er macht mich noch wahnsinnig.“ denkt sie, dann tritt Vermouth aus der Wohnung und ruft ihren Partner hinterher: „Vergiss nicht morgen Abend, das war ernst gemeint.“ Bourbon dreht sich nochmal um und lächelt Vermouth entgegen, dann steigt er in seinen Mazda und fährt nach Hause.



      ***



      Nach einem mühevollen Tag, der sich wie eine Ewigkeit angefühlt hat, kommt Bourbon wieder in seinem kleinen Apartment an. „Jetzt ist aber Schluss mit den Überraschungen.“, denkt sich der Kellner, als er aus dem Auto aussteigt, doch nur wenige Sekunden später wird er eines Besseren belehrt. Als der blonde Detektiv den Haustürschlüssel umdreht und seine Wohnung betritt, entgeht ihm nicht der Brief im Eingangsbereich, den ihm jemand unter der Tür hindurchgeschoben haben muss.
      „Was kommt denn jetzt noch?“, fragt sich der blonde Detektiv, der am liebsten diesen Brief ignorieren und erst am nächsten Morgen lesen würde, denn was er jetzt am meisten braucht, ist Schlaf, eine gehörige Portion Schlaf. Er merkt, wie seine Augen immer schwerer und schwerer werden, sein Körper immer müder und müder wird, sodass er glaubt, jeden Moment umzufallen und in Schlaf zu versinken wie der Schlafende Kogoro. Doch der Brief hat seine Aufmerksamkeit geweckt und wenn so etwas geschieht, dann kann er sich nicht zurückhalten. Mit kindlicher Neugier und dem detektivischen Drang nach Untersuchung öffnet er den Brief und liest folgende Worte:
      „Hey Rei Furuya-san, wir haben gehört, dass Sie so sehr in ihre Arbeit vertieft sind, dass Sie kaum noch Zeit für sich haben. Ihr Ehrgeiz und Ihr Arbeitseifer in allen Ehren, aber Sie dürfen sich nicht kaputt schuften, das würde unserer Mission genauso schaden wie Untätigkeit. Daher haben wir uns überlegt, Ihnen Ruhe zukommen zu lassen, damit Sie entspannen und sich von Ihrem Stress erholen können. Wir hoffen Sie genießen unsere kleine Aufmerksamkeit und nehmen dies als Weihnachtsgeschenk an. Viel Spaß im Urlaub, auf dass Sie wohl erholt zurückkehren und diese Mission zu einem erfolgreichen Ende bringen werden. Mit freundlichen Grüßen, Public Security Intelligence Agency (PSIA)“
      „Tss, so ein Unsinn. Als ob ich überarbeitet wäre... Ich nehme nur meine Arbeit ernst.“, denkt sich Rei Furuya kopfschüttelnd, während er den Text liest. Dann fällt ihm ein Stück Papier aus dem Briefumschlag, dass er neugierig aufhebt: Ein Gutschein für einen Wellness-Urlaub in Izu. „Diese Idioten von der PSIA. Manchmal denke ich, ich wäre von Idioten umgeben.“ Er läuft schon zum Papierkorb hinter seinem Schreibtisch, doch ein plötzlicher Einfall hält ihn davon ab, den Brief mit dem Gutschein wegzuwerfen und es ist nicht die Tatsache, dass der Eimer schon vor Papierkugeln mit seinen verworfenen Theorien um den Tod oder das Überleben von Shuichi Akai überquillt. „Einen Moment, ich könnte doch noch Verwendung dafür haben.“



      ***



      Klopf, klopf, klopf! Eine Hand hämmert nun schon zum zigsten Mal an das Hotelzimmer, als endlich eine weibliche Stimme aus dem Raum entgegnet: „Jaja, ich komme ja schon.“ Die Frau im Zimmer trägt ein langes, rotes Kleid mit schwarzen High Heels, gerade eben hat sie sich in einem Drehstuhl sitzend Make-Up und Lippenstift aufgetragen und während sie sich dem Eingang nähert, schmückt sie sich noch mit einer Halskette und Ohrringen. Schließlich öffnet sie die Tür und vor ihr steht ein junger Mann mit schwarzer Weste und weißem Hemd.
      „Ähm... entschuldigen Sie vielmals die Störung, Miss Vineyard.“, sagt der von ihrer Anwesenheit eingeschüchterte Page, die Ausstrahlung einer Schauspielerin hat schon einen gewaltigen Eindruck auf ihn. „Aber... das hier wurde am Empfang von einem Zusteller für Sie abgegeben, der Absender hat darauf bestanden, dass Sie es sofort erhalten.“ Nervös reicht der Page der Blondine den Brief in seiner zitternden Hand.
      „Thank you.“, bedankt sich die Schauspielerin lächelnd bei dem Pagen und gibt ihm noch ein saftiges Trinkgeld, bevor sie ihm die Tür vor der Nase zuschlägt. Ohne zu zögern reißt Vermouth das Kuvert auf und liest den Brief. „Hey Vermouth, ich freue mich schon auf unser gemeinsames Essen heute Abend und befinde mich wohl gerade auf dem Weg zu dir, um dich abzuholen, während du diese Worte liest. Doch bevor ich die Ehre habe, dich zum Essen auszuführen, möchte ich dir noch ein kleines Geschenk zukommen lassen, ich hoffe, es gefällt dir. Ich weiß, wie anstrengend dein Leben manchmal sein kann, deine Karriere als Schauspielerin, deine Arbeit für unsere Organisation... und dann hast du da noch diesen gebräunten Blondschopf am Hals, der dich oft in den Wahnsinn treibt. Daher denke ich mir, dass dir Erholung gut tun könnte, aus diesem Grund lasse ich dir dieses Präsent zukommen. Bis gleich, wir sehen uns. Bourbon.“
      Vermouth entdeckt noch ein rechteckiges Stück Papier in dem Briefumschlag, es handelt sich um einen Gutschein für einen Wellness-Urlaub in Izu. „Oh, wie aufmerksam. Und er hat sowas von Recht mit seiner Selbsteinschätzung. My blonde detective, I´m waiting for you.“, freut sich Vermouth mit einem Lächeln, in freudiger Erwartung auf das Wiedersehen mit ihrem Partner Bourbon.
      „Hatschi!!!“ Mit einem Taschentuch putzt sich Bourbon die Nase, während er mit seinem weißen Mazda RX-7 durch die Straßen Tokios kurvt, gekleidet in einem weißen Anzug mit schwarzer Krawatte. „Oh Mann, entweder hat mich der Winter mit seinen eisigen Temperaturen erwischt und ich habe mir eine Erkältung eingefangen... Oder jemand muss gerade an mich gedacht haben.“ Ein fröhliches Lächeln bildet sich in seinem Gesicht, während der helle Mond im schwarzen Nachthimmel leuchtet, und Bourbon denkt: „Na dann, frohe Weihnachten.“


      *** Ende ***



      Ich hoffe, euch hat dieser dritte Teil sowie insgesamt meine dreiteilige Fanfiction zu Bourbon/Toru Amuro gefallen. Hoffentlich konnte ich euch damit in der Vorweihnachtszeit eine Freude bereiten und euch möglichst gut unterhalten. :D Gleichzeitig hoffe ich natürlich auch, dass ihr viel Spaß mit meinem Rätsel zum Mordfall hattet. :D Wie sieht es bei euch aus? Konntet ihr den Mörder entlarven und lagt mit eurer Schlussfolgerung goldrichtig? Habt ihr die Tricks des Täters herausfinden können?
      Ich würde mich sehr über eure Rückmeldungen in Form von Kommentaren und/oder Likes freuen. Eure Meinung zu meiner Fanfiction ist mir sehr wichtig, gerne auch mit konstruktiver Kritik, und mich würde natürlich auch interessieren, wie ihr euch als Detektive bei dem Rätsel geschlagen habt.
      :D
      Ich wünsche euch noch viel Freude mit den Türchen des Adventskalenders 2015 im DCDP-Forum, sei es mit den zurückliegenden, die ihr nochmal lesen möchtet, oder mit den noch kommenden Beiträgen, und selbstverständlich wünsche ich euch noch: Frohe Weihnachten!!!
      :thumbsup:

      MfG
      Black organization member

      :thumbup: Vielen Dank an Spürnase für den Banner!!! :thumbup:

      Mein Fanfiction-Thread: BOMs BOMbastische Fanfictions
      Bundesligatippspiel 2017/18

      by Beechan & Black organization member
      Also erst mal Respekt. Du hast dir da wirklich sehr viel Arbeit gemacht. Alles ist so Conan typisch, und so gut durchdacht, das hätt ich im Leben nie hinbekommen.

      Wie ich schon geschrieben habe, hat es mir gefallen auch ein wenig der Sicht von Megure zu lesen, der kommt ja auch irgendwie sonst zu kurz.
      Außerdem war es gut, das Conan einen Fall nicht löst, das passiert ja so nie, leider.
      Auch sehr amüsant, Bourbons flammende Rede - Ein Hoch auf die Monogamie. :D Ob er da aber mit Vermouth in der Hinsicht auch so eine Verfechterin der Treue gefunden hat - man weiß es nicht. :D Jedenfalls habe ich mit Freude festgestellt das der eigentliche Hauptakteur, der sonst viel zu selten vorkommt, endlich mal wieder zum Zuge kam - genau, die gute alte Angelschnur. Ich hab sie so vermisst. xD

      Es hat mir viel Freude gemacht die 3 Teile zu lesen. Vielen Dank dafür. :)

      The truth is still out there!!!
      Schön zu lesen, dass meine Schlussfolgerungen zumindest in Teilen stimmten, auch wenn ich die gute alte Angelschnurr wohl etwas unterschätzt habe xD
      Dennoch, die Fallauflösung war schlüssig, alle Handlungsstränge wurden mEn aufgelöst und gerade diesen Schwenk zu Bourbon und seinem Verhältnis zu Vermouth am Ende der Geschichte fand ich wirklich interessant und überraschend.
      Ähnlich wie wutz hat mir auch die Sichtweise Megures gefallen, das kennt man noch aus frühen Fällen des Mangas, inzwischen ist ja auch dies leider weitgehend verschwunden.
      Wie schon im Feedback zu Teil 1 geschrieben, vielen Dank, dass du dir die viele Arbeit für den Kalender zugemutet hast.
      :thumbsup: