12. Türchen

      Ich habe ein Crossover von Conan und der Sherlock-Fernsehserie geschrieben. Viel Spaß damit.

      Conan hörte Kogoro schon rufen, als er noch mindestens 100 Meter vom Detektivbüro entfernt war. Er rannte so schnell wie er konnte zum Haus und die Treppen in den ersten Stock hinauf. Oben angekommen stürzte Kogoro auf ihn ein und hielt ihm einen Zettel unter die Nase „Schau mal, du kleiner Naseweis: Ich, Kogoro Mori, soll die Hauptrede auf dem Kongress für Privatdetektive in drei Wochen halten. Es wurden nur die Besten Detektive Japans eingeladen und ICH werde ihnen etwas über meine erfolgreiche Arbeit erzählen! Gekonnt ist eben gekonnt!“ Conan hatte den Eindruck, als sei Kogoro während des letzten Satzes mindestens 10cm gewachsen. „Das ist ja toll, Onkel!“ sagte er. Innerlich dachte er sich jedoch: „Das ist ja mal wieder typisch, ich löse deine Fälle, und du heimst die Lorbeeren ein. Dabei hat doch jeder deine „Das ist kein Schlaf, sondern eine hochkonzentrierte Form des Arbeitens“-Ansprache schon 100mal gehört.“ Kogoro hatte ihm in der Zwischenzeit das Blatt mit dem Ablauf des Kongresses in die Hand gedrückt und tanzte durch das Büro. Conan überflog die Liste mit den Rednern. „Vielleicht kommt Heiji ja auch.“ Doch leider konnte er den Namen seines Freundes aus Osaka nicht finden.
      Als er den Vorletzten Namen auf der Liste las, glaubte er seinen Augen nicht zu trauen. „SHERLOCK HOLMES!??“ rief er so laut, dass Kogoro aufhörte zu tanzen. Conan stürmte auf ihn zu „Sherlock Holmes kommt aus London zu der Konferenz? Warum hast du davon nichts gesagt? Können wir ihn treffen, Onkel Kogoro? Bitte!“ Conan hatte erst vor Kurzem erfahren, dass der berühmte Sherlock Holmes aus den Geschichten von Arthur Conan Doyle offenbar in Wirklichkeit gelebt hat und sein Nachfahre, der genau so heißt, in England als Detektiv arbeitet. Seit dem hatte er das Blog von John Watson über ihre gemeinsamen Abenteuer quasi verschlungen.
      „Was willst du denn da, du Nervenzwerg. Du gehst meinen Kollegen doch nur auf den Geist.“ „Stimmt doch gar nicht. Ich halte mich immer im Hintergrund!“ „Im Hintergrund? Das ich nicht lache! Du turnst doch immer an den Tatorten herum und störst uns Profis bei der Arbeit!“
      Bevor Conan etwas erwidern konnte, beendete ein lautes „Was ist denn hier schon wieder los?“ den Streit. Ran war nach Hause gekommen.
      Kogoro stöhnte: „Der kleine Zwerg hier, will mit auf den Detektiv-Kongress, weil da irgend so ein daher gelaufener Möchtegern-Detektiv aus England kommt.“ „Sherlock Holmes ist einer der Besten Detektive aller Zeiten, du Schlafmütze!“ „Wie hast du mich genannt? Na warte, die werd ich's zeigen!“ „AUFHÖREN! SOFORT! ALLE BEIDE!“
      Conan und Kogoro erstarrten sofort. „Der Kongress dauert eineinhalb Tage und Sherlock Holmes wird direkt vor dir sprechen, Paps, oder?“ Kogoro nickte. „Dann machen wir das so: Du nimmst ganz normal an dem Kongress teil und Conan und ich schauen uns deine Ansprache und die von Sherlock Holmes an.“

      Drei Wochen später saßen Ran und Conan im Zuschauerraum des Kongresszentrums. Sie waren schon ein wenig früher gekommen. Im Nachhinein war Conan froh, dass Ran darauf bestanden hatte, Kogoro den Großteil des Kongresses alleine zu lassen. Der Vortrag, der gerade gehalten wurde war nämlich stinklangweilig. Ein Wald-und-Wiesen-Ermittler aus der hintersten Provinz sprach gerade darüber, warum sich seiner Meinung nach um Weihnachten die Einbrüche häufen würden. Conan war schon beinahe eingeschlafen, als zögernder Applaus das Ende des Vortrages quittierte.
      Der Moderator trat ans Rednerpult. „Und nun, meine Damen und Herren, unser Vorletzter Redner. Viele von ihnen haben seinen Namen schon gehört, doch die wenigsten werden wohl damit gerechnet haben, ihn leibhaftig sehen zu können. Begrüßen Sie mit mir unseren einzigen Redner aus dem Ausland, den berühmten Privatdetektiv Sherlock Holmes. Donnernder Applaus erfüllte die Halle. Doch nichts geschah. Der Moderator stand alleine gelassen auf der Bühne und blicke verwirrt auf den Eingang, aus dem der Gast kommen sollte. „Meine Damen und Herren,“ begann er „irgend eine Kleinigkeit scheint da gerade schief gelaufen zu sein. Ich schaue mal nach, wo Mr. Holmes bleibt.“ Er wollte gerade die Bühne verlassen, da kam ein Mann hinter dem Seitenvorhang hervor. Conan schätzte, dass er selbst für europäische Maßstäbe recht groß war. Er hatte dunkles, gelocktes Haar und trug schwarze Kleidung. Er blickte mürrisch auf das Publikum, das nun zögernd applaudierte. Hinter ihm ging ein weiterer Mann, den Conan von seinem Internet-Blog kannte. Es war John Watson, der Freund von Sherlock Holmes. Watson hatte dunkelblondes Haar und war einen halben Kopf kleiner als Holmes – denn um ihn musste es sich bei dem anderen Mann ja handeln. Er trug ein Hemd mit beigem Karomuster und eine Kordhose. Conan bemerkte, dass Watson nicht nur hinter Holmes ging, nein, er hatte seine Hand am Rücken des berühmten Detektiv und schob ihn vor sich her. Die beiden redeten mit einander, doch Conan konnte erst etwas hören, als sie am Rednerpult angekommen waren. Sie redeten zwar auf Englisch, doch Conans Sprachkenntnisse reichten aus, sie zu verstehen.
      „… was ich hier überhaupt soll. Die Japaner haben doch keine Ahnung, was bei uns in England los ist.“ „Das spielt keine Rolle. Und jetzt benimm dich. Es reicht schon, dass du dem japanischen Botschafter vor den Kopf gestoßen hast. Sei froh, dass Mycroft das wieder gerade biegen konnte, indem er diese Rede eingefädelt hat.“ „Ach ich soll auch noch dankbar sein, dass ich hier am Ende der Welt etwas über unsere Fälle erzählen soll, wo die noch nicht einmal wissen, dass ich kein Privatdetektiv bin, sondern der einzige beratende Kriminalpolizist der Welt.“ Watson blickte in den Zuschauerraum. „Ich glaube sie können uns bereits hören. Du fängst jetzt besser mit deiner Rede an.“ „Nein, mein lieber Watson, ich werde jetzt besser gehen.“ Noch bevor der Angesprochene reagieren konnte hatte Holmes sich umgedreht und die Bühne verlassen.
      Watson und der Moderator sahen sich verwirrt an. Der Moderator trat an das Rednerpult. „Meine Damen und Herren, es scheint einige äh… Verständigungsschwierigkeiten zu geben. Wir machen jetzt eine halbe Stunde Pause und dann fahren wir mit unserem Programm fort.“ Mit dem letzten Satz gab er den Technikern das Signal, den Vorhang zu schließen. Conan wandte sich an Ran um sie etwas zu fragen. Doch er kam nicht dazu, weil ein Lauter Kann alle anderen Geräusche übertönte. Conan blickte zur Bühne und sah den Moderator blut überströmt am Boden liegen.

      Eine halbe Stunde später standen Kogoro, Conan, Ran, Holmes, Watson und Inspektor Megure auf der Bühne und betrachteten den Leichnam. Eine Ladung Schrot hatte den Mann mitten in die Brust getroffen. Megure wandte sich an Kogoro: „Und Sie standen am Seitenvorhang und haben auf Ihren Auftritt gewartet, oder?“ Kogoro nickte. „Ist Ihnen jemand aufgefallen, der auf den Moderator gezielt haben könnte?“ „Nein, ich habe mich auf meine Rede vorbereitet. Wissen Sie, Herr Inspektor, ich sollte nämlich die Abschlussrede halten.“ Seine Augen begannen zu funkeln. „Das wäre so schon gewesen! Ich stehe am Rednerpult und muntere meine Kollegen auf, das ihr Bestes zu geben, verabschiede sie und während dessen geht der Vorhang zu und beendet den Kongress. Nachwuchsdetektive hätten ihren Enkeln noch von diesem Moment erzählt“.
      Er wollte noch weiter ausholen, als er von Conan unterbrochen wurde: „Herr Inspektor. Können Sie mal bitte kommen?“ Er hatte in der Zwischenzeit den Leichnam näher untersucht. Dabei war ihm etwas aufgefallen. „Schauen Sie doch mal. Die Leiche liegt fast zwei Meter vom Rednerpult entfernt. Sie muss also sehr stark nach hinten geschleudert worden sein. Und hier sehen Sie, da hat eine Schrotkorn das Rednerpult gestreift und eine schräge Linie hinterlassen. Kann es sein, dass der Mann von da oben erschossen wurde?“
      Megure blickte nach oben. Die Halle hatte eine Zwischendecke eingezogen, sodass man die Kabel für Licht- und Tontechnik unsichtbar verlegen konnte. Er winkte einen uniformierten Polizist herbei, der sich das ganze anschauen sollte.
      Megures Blick wanderte von Zeuge zu Zeuge und blieb bei Holmes und Watson hängen. Er wollte gerade seine Englischkenntnisse zusammen suchen, da ergriff Holmes das Wort. „Die Sache ist doch eigentlich ganz klar. Da muss man doch gar keinen großen Aufwand betreiben. Der Einschusswinkel zeigt klar und deutlich, dass die Waffe in der Zwischendecke auf den Täter gerichtet wurde. Da die Hitze die von der Bühnenbeleuchtung ausgeht diesen kleinen Zwischenraum aber sehr stark aufheizt, kann der Täter nicht die ganze Zeit auf der Lauer liegen. Da man diesen Raum außerdem nur sehr schwer erreichen und vor Allem wieder verlassen kann, ist es unmöglich, dass sich der Täter während die Zielperson auf der Bühne ist, dort hin begibt und sich davon schleicht, ohne dass es jemand bemerkt. Daher muss es eine Art Fernmechanismus gegeben haben. Da das Gewehr in dem Augenblick feuerte, als der Vorhang zuging, was aber zu diesem Zeitpunkt nicht geplant war, kann unser Opfer aber nicht die Zielperson gewesen sein. Statt dessen wollte der Täter denjenigen umbringen, der geplanter Weise am Rednerpult steht, wenn der Vorhang zugeht.“
      Fünf Augenpaare starrten den hageren Engländer an. Offensichtlich hatte keiner den verwinkelten und sehr schnell auf Englisch vorgetragenen Gedankengängen folgen können. Watson seufzte. Er wirkte, als hätte er diese Situation schon öfters erlebt. „Sherlock möchte folgendes sagen:“, erklärte er in einem einfachen und langsamen Englisch. „Der Täter muss in dem Zwischenraum über der Decke eine Konstruktion aufgebaut haben, die das Gewehr abfeuerte, als der Vorhang zuging. Das Opfer wurde aber nur versehentlich getötet. Das eigentliche Ziel war der letzte Redner. Wer war denn das?“
      „Das war ich.“, sagte Kogoro. „Aber warum sollte mich jemand töten wollen?“
      „Ihr da,“ befahl Megure einer Gruppe uniformierter Beamter. „Riegelt sofort das Gebäude ab und befragt jeden Mitarbeiter, wo er wann war, und was er gemacht hat.“
      „Das wird nicht nötig sein.“ mischte sich Holmes ein. „Ich habe mir zwar nicht die Japanische Sprache aneignen können, aber mich genug Informiert, um die meisten der Kana-Zeichen eingeprägt um auf diesem Bühnenaufbauplan den einzigen englischen Namen lesen zu können. Und dieser Name ist kein anderer als ...“
      „Sean Gallore!“ Kororos Stimme unterbrach den britischen Detektiv. Alle blickten sich um. Kogoro saß gegen das Rednerpult gelehnt und war zusammen gesackt. Conan versteckte sich hinter dem Pult und sprach auf Englisch in den Stimmenverzerrer. „Der Bruder von Roger Gallore. Dieser hatte letztes Jahr den bekannten britischen Schauspieler getötet, der einen Film mit Yoko Okino drehen wollte. Ich habe den Fall damals gelöst. Sein Bruder hat mir das offensichtlich übel genommen und Rache geschworen. Der Polizist der den Zwischenraum untersucht hat, hat dort übrigens wie erwartet eine Schrotflinte gefunden. Der Auslöser war mit Hilfe eines Bindfadens mit dem Vorhang verbunden, so dass sie los ging als der Vorhang zu ging. Vermutlich werden Sie den Täter mit Hilfe der Fingerabdrücke überführen können, die noch an der Waffe ist. Gallore ist nicht in unseren Systemen, sodass er sich sicher sein konnte, dass sie nicht ohne Weiteres mit ihm in Verbindung gebracht werden können. Wenn Sie sich beeilen, Herr Inspektor, werden Sie ihn noch schnappen, bevor er das Gebäude verlässt.“
      Megure schickte sofort weitere Polizisten los um den Täter zu verhaften. Conan befestigte die Fliege wieder an seinem Hals, kroch aus seinem Versteck und blickte direkt ins Gesicht von Sherlock Holmes, der offensichtlich alles beobachtet hatte. Der Engländer blickte ihn ruhig mit seinen blauen Augen an und sagte: „Mein Junge, ich habe keine Ahnung, woher du dieses Gerät hast und warum du diesen inkompetenten Mori die Lösung der Fälle überlässt – und merke dir: Ich habe selten keine Ahnung von etwas. Aber dein Geheimnis ist bei mir sicher. Mich interessiert die Geschichte aber. Komm doch mal in die Baker Street, wenn du Hilfe brauchst.“ Bevor Conan etwas erwidern konnte, drehte sich Holmes um und ging zu Watson. „Lass uns gehen, John!“.
      Wer in meinen Beiträgen rechtschreibfehler findet, darf sie übrigens behalten. Die kosten auch nichts.

      Auch ne super Idee, Sherlock und Conan in einem. Hat mir gut gefallen, typische Merkmale von Sherlock und Conan miteingebracht. So langsam muss man ja bei der Serie Sherlock genausoviel Geduld entwickeln wie bei Conan, denn die vierte Staffel lässt ja auf sich warten. Deswegen freue ich mich über diese kleine nette Geschichte. Schönes Türchen. :)

      The truth is still out there!!!