Wie hältst du's mit der Religion?

      Wie hältst du's mit der Religion?

      Welcher Religion fühlst du dich zugehörig? 35
      1.  
        gar keiner (16) 46%
      2.  
        Christentum (12) 34%
      3.  
        einer anderen (3) 9%
      4.  
        Islam (2) 6%
      5.  
        Buddhismus (1) 3%
      6.  
        Judentum (1) 3%
      Da wir uns bereits über den (islamischen) Fundamentalismus unterhalten haben, würde mich auch mal Ineressieren ob bzw woran ihr persönlich glaubt.

      Die Umfragen-Frage lautet bewusst "Welcher Religion fühlst du dich zugehörig", da die Religionszugehörigkeit auf dem Papier ja anders sein kan als das, was man wirklich glaubt.

      Ich selbst gehöre der Bahá'í-Religion an. Wir glauben, dass alle Religionen Wege zu ein und dem Selben Gott sind.
      Da sich die Menschheit immer weiter entwickelt und immer neue Fragen an Gott hat, schickt er immer mal wieder Propheten (so gennannte "Manifestationen") auf die Erde, die den Menschen diese Fragen beantworten und ein Wegweiser zu Gott darstellen.
      Und so eine Manifestation hat vor fast 172 Jahren im heutigten Iran gelebt und gewirkt. Wir haben auch eigene heilige Schriften auf die wir uns beziehen und die für uns den Maßstab darstellen, an dem wir uns orientieren.
      Im Alltag bedeutet das vor Allem, dass wir keinen Alkohol trinken, täglich ein bestimmtes Gebet sprechen, üble Nachrede vermeiden (das heißt, nicht lästern) und einmal im Jahr eine Fastenzeit einhalten, die genau so gehandhabt wird, wie der Rhamadan der Muslime. Außerdem haben wir keine Priester, da jeder Bahá'í aufgefordert ist, sich selbständig auf die Suche nach der Wahrheit in den heiligen Schriften (aller Religionen) zu suchen.
      Wer in meinen Beiträgen rechtschreibfehler findet, darf sie übrigens behalten. Die kosten auch nichts.

      Also ich bin zwar katholisch, aber muss sagen, dass ich Religion nicht ausübe. Da ich aber bei der Diakonie arbeite, bin ich seit einiger Zeit bei so Kurzandachten dabei, oder auch mal bei Aussegnungen, wenn jemand verstorben ist. Ansonsten praktiziere ich keine Rituale, gehe nicht in den Gottesdienst, da in meiner Familie dies nicht praktiziert wurde, mit einer Ausnahme. Auch halte ich keine Fastenzeiten ein oder habs auch nicht mit irgendwelchen anderen Vorschriften.
      Wenn ich fasten will, dann um meiner Gesundheit Willen.... was gerade auch wieder im Neuen Jahr mal wieder soweit ist..xD
      Ich finde eine Religion sinnvoll und gut, wenn es einem für das eigene Leben etwas bringt, man dadurch mit Krisen oder auch am Ende des Lebens, mit dem Sterben besser umgehen kann, oder zurecht kommt. Schön wenn da jemand so einen Glauben hat, der ihm dann helfen kann.
      Religion hat ja eigentlich mit zum Hauptziel die Nächstenliebe. Egal welche der großen bekannten Glaubensrichtungen, ob der Islam, das Christen - oder Judentum.
      Darauf sollten sich alle Gläubigen eigentlich besinnen und sich nicht gegenseitig immer irgendwie schlecht machen, damit die eigene Religion als "die einzig Wahre" da steht.
      Durch bestimmte Erfahrungen glaube ich schon, dass etwas sein wird, nachdem man verstorben ist. Was - das kann aber meiner Meinung nach niemand sagen. Ist ja auch noch keiner zurück gekommen. xD
      Auch den Schriften wie Bibel usw. stehe ich eher skeptisch gegenüber. Wie wahr die alle sind, oder ob da jemand ne ganz gute Fantasy hatte und diese zu Papier gebracht hat.. ich weiß es nicht. Diese Schriften kann man sich alle auslegen wie man will und sind dann auch wieder unnötiges Streitthema.
      Ich habe auch einen sehr guten Freund, der ist fast ein Hardcore Katholik, wobei er seine Sichtweisen niemanden aufdrängt. Trotzdem verstehen wir uns wunderbar und ich möchte ihn nicht missen, wenn seine Ansichten auch manchmal ziemlich krass sind (Exorzismus, böse Mächte usw...xD)
      Was ich noch so ein wenig glaube, geht nach dem Prinzip "Der Weg ist das Ziel".
      Also, wir sollten aus den Sachen, die uns im Leben so passieren, doch etwas lernen und uns in unserer Persönlichkeit weiterentwickeln. Wenn ich so zurück schaue, sehe ich da jetzt vieles anders und alles was passiert ist, vor allem auch das Schlechte, hat mir was gebracht und macht mir jetzt das Leben auch oft einfacher. Wenn andere sich über Kleinigkeiten aufregen, oder immer nur Jammern, kann ich das oft nicht nach voll ziehen. Wenn man will, kann man sagen, ich glaube doch so ein wenig ans Schicksal. Aber das ist nicht festgelegt und kann sich in meinem weiteren Leben alles noch ändern. Wer weiß, in 30 Jahren, wenn ich noch da sein sollte, bin ich vielleicht endlich bekehrt und auch ne Hardcore Katholikin....xD

      The truth is still out there!!!
      Bin selbst evangelisch aber komplett unreligiös. Gott ist für mich ein Konzept, an das sich zum Beispiel Menschen klammern, die in schwierigen Situationen sind und seelisch Unterstützung brauchen. Für viele Menschen ist es einfacher bestimmte Dinge oder Rückschläge auf etwas Höhreres zu übertragen. Generell würde ich behaupten, dass Religion für viele ein Zufluchtsort ist, um sich über Sachen keine Gedanken mehr machen zu müssen.
      Auf den Extremismus, der zwangsläufig mit Religionen kommt, muss ich ja nicht eingehen.

      Weiterhin gefällt mir folgende Passage aus einem Lied sehr gut:

      "Ich bin kein Moslem, kein Christ, ich bin Atheist
      Ich glaub an das, was ich verstehe,
      ich glaub nicht an nichts!
      Doch versteh ich etwas nicht, dann versteh ich´s halt nicht.
      Ich brauch keine Bibel, die mir auch nur sagt, dass das so ist.
      Man sollte jeden glauben oder eben nicht glauben lassen,
      aber genau das, darf die Religion nicht zulassen.
      Denn wenn die Massen von ihrem Verstand Gebrauch machen
      wird die Welt sich verändern und der Mensch muss aufwachen."

      Fun fact: Wie mir gerade aufgefallen ist, trage ich sogar ein Kreuz um den Hals, wobei das für mich nichtmal ansatzweise was religiöses ist. Es ist ein Andenken an meine Uroma und zum Teil modisch bedingt.
      No matter what, my heart will be forever yours and I will fight until the day I see you again.

      DevilsClaw1991 schrieb:

      Generell würde ich behaupten, dass Religion für viele ein Zufluchtsort ist, um sich über Sachen keine Gedanken mehr machen zu müssen.
      Auf den Extremismus, der zwangsläufig mit Religionen kommt, muss ich ja nicht eingehen.


      Dann mach ich das halt: Auf Religion folgt NICHT ZWANGSLÄUFIG Extremismus sonst hätten wir ja demnächst je über eine Milliarde extremistischer Katholiken und Moselms. Aus jeder Einstellung, und damit auch aus Religionen, KANN Extremismus erwachsen. Es gibt z.B. auch extremistische Atheisten und Feministen, die dann die Welt nur aus Ihrer eingeschränkten Brille sehen wollen.
      Es gibt natürlich auch Menschen, die ihre Religion als Ausrede missbrauchen, nicht nachdenken zu müssen. Die haben dann aber meiner Meinung nach den Sinn ihres Glaubens nicht verstanden. Sätze wie "Was du nicht willst, was man dir tu, das füg auch keinem Anderen zu" (Dieser Satz befindet sich in verschiedenen Formulierungen in ALLEN Religionen), "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" oder "Ein Gedanke des Hasses muss mit einem stärkeren Gedanken der Liebe besiegt werden" kann man nicht leben, ohne seinen Verstand und sein Herz zu benutzen.

      DevilsClaw1991 schrieb:

      Ich glaub an das, was ich verstehe,

      Provokante Frage: Glaubst du dann auch an die Quantenphysik oder extrem komplizierte Hirnoperationen? Ich gehe nämlich nicht davon aus, dass du beide Bereiche verstehst.
      Versteh mich nicht falsch: Natürlich ist es notwendig, seinen Verstand einzuschalten, auch wenn man an eine bestimmte Religion glaubt. Da man aber nie alles wissen und verstehen kann, braucht man Personen und Institutionen, denen man vertraut für einige ist das die Religion.

      Grundsätzlich denke ich, das klang in Wutz' Beitrag schon an, dass es jedem, egal ob Atheist, Christ, Muslim oder Bahá'í um Nächstenliebe, d.h. ein gutes Miteinander mit den Mitmenschen gehen soll. Ob es dann noch einen Gott in der persönlichen Weltsicht gibt oder nicht, ist dann schon wieder zweitrangig.
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      DevilsClaw1991 schrieb:

      Auf den Extremismus, der zwangsläufig mit Religionen kommt, muss ich ja nicht eingehen.
      Gäbe es keine Religionen, würden Menschen andere Wege finden, sich zu bekriegen. Wohlmöglich wären die Islamisten dann Veganer, die Karnisten töten, oder Feministen, die Machos töten. Es gibt und gab schon immer Leute, die einfach nur auf Stress aus sind und es gibt und gab schon immer Leute, die psychische Mängel dadurch kompensieren, andere zu schikanieren. Seien es nun durchgeknallte Leute, die unschuldige töten, weil sie einen anderen glauben haben, oder seien es Leute, die anerkannte Wissenschaftler dazu bringen, sich öffentlich für ihr Shirt zu entschuldigen, weil darauf Frauen abgebildet sind.
      Ich will damit nicht sagen, dass Feministen auf einer Stufe mit Islamisten sind, aber wenn es keine Religion gäbe, würden die Menschen andere Gründe finden, sich umzubringen.

      Ich bin evangelisch, aber nicht wirklich religiös, d.h. ich übe meine Religion nicht wirklich aus. Ich habe keine Rituale oder Sonstiges, auch in die Kirche gehe ich nicht. Während meiner Konfirmationszeit bin ich zwar regelmäßig in die Gottesdienste gegangen und das war auch ganz schön an sich, aber ich bin keiner, der jeden Sonntag in die Kirche gehen muss. Schließlich machen einen Gottesdiensbesuche nicht zwingend zu einem besseren Christen, im Prinzip kann man seiner Religion auch anderweitig nachgehen, auch wenn ich wie gesagt auch keine anderen Rituale nutze.
      Ich denke aber, dass Religion für Menschen schon ein Zufluchtsort sein kann und dass Gebete oder Ähnliches für die Menschen, die Religion ernsthaft ausüben, hilfreich ist. Im Prinzip hat sicher jeder Mensch einen gewissen Zufluchtsort oder irgendwas oder irgendjemanden, dem er sich anvertraut, ob das nun eine Religion ist oder etwas Anderes.
      Ansonsten kann ich mich dem anschließen, dass Kernpunkte aller Religionen, d.h. Inhalte, die in jeder Religion vorkommen, für alle Menschen der Welt gelten, egal ob nun Christ, Moslem, Jude oder Atheist. Als Beispiel wurde die Nächstenliebe bereits genannt. Ich meine, auch wenn man sich keiner Religion zugehörig fühlt, so sind doch solche Inhalte allgemeingültig. Einige der 10 Gebote, wie z.B. du sollst nicht töten oder stehlen, finden sich zudem auch im Grundgesetz wieder und gelten somit ebenfalls für alle, auch für die Nichtreligiösen.
      Zum Thema Extremismus und Krieg: Es gibt/gab auf der Welt auch genügend Kriege oder gewaltsame Auseinandersetzungen, die nicht religiös geprägt waren bzw. bei denen Religion nur eine untergeordnete Rolle gespielt hat. Religion führt also nicht automatisch zu Extremismus oder Krieg, auch wenn durchaus die Möglichkeit da ist.

      :thumbup: Vielen Dank an Spürnase für den Banner!!! :thumbup:

      Mein Fanfiction-Thread: BOMs BOMbastische Fanfictions
      Bundesligatippspiel 2017/18

      by Beechan & Black organization member
      Ich bin zwar auf dem Papier katholisch (Bayern halt xD), glaube aber weder an Gott noch an einen höheren Sinn, weil ich mich mit dem Prinzip einfach an etwas zu glauben nicht wirklich anfreunden kann und mich lieber an das halte, was ich erklären und sehen kann. Ich kann aber durchaus verstehen, wenn Menschen das wollen und respektiere auch, wenn jemand einen Glauben hat, jemandem irgendwas aufschwatzen zu wollen (ob nun Glauben oder nicht glauben), macht einfach keinen Sinn, weil das jeder für sich selbst herausfinden muss.

      An sich ist Glaube für mich auch etwas Gutes, weil er Menschen Kraft und Trost geben kann und sie auch als Gemeinschaft zusammenbringt. Klar wird der Glaube gerne missbraucht, allerdings sind das in diesem Moment für mich keine Gläubigen mehr, weil sie die Prinzipien ihres eigenen Glaubens verleugnen. Und wie gesagt, ich schätze sich gegenseitig zu bekämpfen liegt wohl eher in der menschlichen Natur als in irgendeiner Glaubensform begründet, weil es bei manchen Leuten einfach ein zu ausgeprägtes Streben nach Macht gibt und sich Menschen, natürlich ähnlich wie Tiere, gewisserweise in ihrem "Revier" behaupten wollen.
      Ich bin zwar nach wie vor evangelisch, aber mehr "aus Gewohnheit" als dass ich wirklich religiös wäre, geschweige denn an Christus glaube.
      Ich war bis etwa 14 sehr gläubig, bin oft in die Kirche gegangen, hab jeden Abend gebetet, viel in der Bibel gelesen...bis dann eines Tages der Geistesblitz kam "Mooomentmal, was mach ich da eigntl.?!" xD Seitdem glaube ich nicht mehr wirklich an eine höhere Macht, schließe sie aber nicht aus, weil für mich die ganze Welt in seiner Komplexität so erstaunlich, so phantastisch ist, dass es mir manchmal schwer fällt zu glauben, dass sich alles "von selbst" zusammengefügt hat. [Anderseits geht mir das auch bei "sichtbaren" Dingen wie Computern so: Ich sehe das Ergebnis von Elektrizität, Formeln und allem drum und dran UND sehe, dass MENSCHEN das alles zustande bringen. Aber selbst wenn ich in den Fachgebieten wie Physik, Informatik und was für Computern alles so nützlich ist, Profi wär, wäre das alles für mich nicht wirklich begreifbar, ich kann einfach nicht verstehen, wie und dass sowas funktioniert, für mich fällt sowas unter "Wunder", während für andere das iwie selbstverständlich ist xD] - aber es ist für mich eben nur eine Möglichkeit, kein Sein.
      Ich feiere mit meiner Familie Weihnachten, weil ich kulturelle Feste wichtig finde und ich bin nunmal in christlichen Kreisen aufgewachsen. Jeder Mensch braucht gewisse Rituale, Dinge, die beständig sind, bei denen er weiß, was zu tun ist. Sei es etwas tägliches, kleineres, wie Mails checken (blödes Bsp., aber ich denk, ihr wisst, was ich meine), oder etwas jährliches, wie Geburtstag oder eben irgendwelche religiösen Feste.

      Für mich bedeutet Religion, Halt zu finden im Leben, einen Wegweiser, der all' die vielen Möglichkeiten im Leben versucht einzugrenzen, indem er Gebote und Verbote aufstellt und uns ein Ziel vor Augen hält, Fragen beantwortet, Gemeinschaften bildet. Dabei haben alle Religionen Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede.

      Mein Problem ist, dass ich der Überzeugung bin, dass es kein absolutes "richtig" und "falsch" gibt, man aber für sich selber entscheiden kann, dass etwas besser/richtiger oder eben schlechter/falscher ist. Und in jeder Religion gibt es Dinge, mit denen ich nicht einverstanden bin - warum sollte ich mich da dann für eine entscheiden? Wenn ich weiß, was es für Gebote und Verbote gibt, was hinter ihnen steckt und dazu der Meinung bin, dass es nichts gibt, was mich am Ende meines Lebens "in die Hölle schickt", dann kann ich auch meinen eigenen Weg gehen, ohne mich auf eine Religion fest zu legen. Ich bin ein Mensch, der seeeeehr viel Freiheit braucht :D Und für mich engen Religionen den Mensch ein. Dass viele Menschen das geradezu wollen (eben wegen Halt, Hilfe und so), ist verständlich, aber passt halt nicht zu mir.

      Wie gesagt, ich werde wohl evangelisch bleiben (also nicht aus der Kirche austreten), weil mir die wiederkehrenden Feste, mit denen ich aufgewachsen bin, Halt geben und ich mich vermutlich auch irgendwie "einsam" fühlen würde, wenn ich offiziell keiner Religion mehr angehören würde - Religion bedeutet eben auch Gemeinschaft, Gemeinsamkeiten; Und da es überall auf der Welt Religionen gibt und Religionen in unserem Alltag nicht zu übersehen sind (Kalender, Gotteshäuser,..) finde ich das auch nicht total unplausibel, dass ich mich daran festklammere und wenn es hauptsächlich auf'm Papier ist :'D
      Ich bin wohl einer der wenigen Muslimen hier im Forum und kann auch sagen, dass ich zu meiner Religion und meinem Glauben an Gott stehe.
      Religion an sich ist eine hoch komplizierte Angelegenheit, wie ich finde. Jeder interpretiert seine Religion anders und übt sie entsprechend auch anders aus, was es für Außenstehende oft schwierig macht, die Religion einer Gruppe zu verstehen. Dann kommt noch die unglückliche Komplikation hinzu, dass es selbst unter einer Religion zig verschiedene Gruppierungen gibt. Als Beispiel seien im Islam Sunniten, Shiiten oder Aleviten genannt (gibt noch 100.000 weitere) genannt. Dies führt dann zwangsläufig dazu, dass es selbst innerhalb einer Religion zu Konflikten zwischen den Gruppierungen kommt und teilweise sogar Menschen sterben müssen.
      Daher versuche ich, mich möglichst nah am Koran zu orientieren, der mE an oberster Stelle steht. Ich weiß nicht, was alles in dem Buch drin steht, aber die Sachen, von denen ich weiß, dass sie drin stehen, plädieren lediglich für Bildung, Frieden, Gleichheit und Toleranz innerhalb der Menschheit. Und obwohl dies der Fall ist, werden in vielen muslimischen Ländern Frauen unterdrückt, Anhänger anderer Religionen (in der Regel sogar Unschuldige) getötet und dem Prinzip des Gemeinschaftslebens zuwider gehandelt (Im Koran wird ausdrücklich gesagt, dass Gott absichtlich mehrere Religionen auf die Welt gebracht hat, um diese bunter erscheinen zu lassen und nicht ein schwarz-weiß Bild herzustellen). Oft werden leider nur Fetzen aus dem Koran gerissen ohne auf die eigentliche Bedeutung im Gesamtkontext zu achten, sodass dann Fehlinterpretationen zustande kommen - teils sogar bewusst, um dies als Vorwand für seine eigenen Interessen zu nutzen.
      Problematisch ist auch die Sache, dass es viele verschiedene Quellen zur Religion gibt. Bei uns im Islam (sorry, dass ich mich die ganze Zeit nur darauf beziehe, aber mit den anderen Religionen kenn ich mich nicht so gut aus ^^) gibt es beispielsweise noch die "Hadithen", welche Zitate unseres Propheten Mohammeds sein sollen. Auch hier werden von Vielen die meisten der Hadithe ohne jegliche Hinterfragung in Stein gemeißelt. Dabei ist es erwiesen, dass viele dieser Hadithe Fälschungen sind, die von Pseudo-Moslems in der Vergangenheit gemacht wurden, um ihre Interessen durchzusetzen. Aus diesem Grund sollte man immer schauen, ob ein Hadith mit Korankonform ist. Aber naja, mangelndes Wissen ist halt wie in so vielen Fällen einfach weit verbreitet.

      Zur Frage "Glaubst du an einen Gott": Ich muss ehrlich gestehen, diese Frage stelle ich mir relativ oft bzw. habe ich sie mir in der Vergangenheit immer wieder gestellt und bin immer hin und her geschwankt. Es ist wirklich schwierig für einen gebildeten Menschen an etwas zu glauben, dessen Existenz nicht zu 100% bewiesen ist, aber in diesem konkreten Fall muss ich sagen, dass mir die Indizien und Anzeichen reichen. Ich weiß nicht, wie es bei euch ist, aber mir sind im Leben schon unerklärliche Dinge über den Weg gelaufen, die man rational nicht begründen kann. Aber auch der Koran an sich verleitet mich dazu, an die Existenz Gottes zu glauben. Ich meine, wer sonst hätte ein solch literarisches Werk erstellen sollen? Prophet Mohammed konnte nicht mal lesen und schreiben und auch sonst besaß er keinen allzu hohen Bildungsgrad. Der Koran ist praktisch durchgängig wie ein Gedicht aufgebaut mit Reimen, Versen usw. . Und dennoch hat dort ein Satz mehr Aussagekraft als manch ein kompletter Roman. Zudem werden dort naturwissenschaftliche Phänomene thematisiert, zu denen in dieser Zeit (600 n.Chr.) nicht das benötigte Wissen vorhanden war. Ich glaube kaum, dass ein normaler Mensch in dieser Zeit so etwas bewerkstelligen konnte, weshalb ich die Existenz Gottes als naheliegend empfinde.

      Nun denn, ich will nicht von mir behaupten, dass ich der beste Moslem bin (wobei man das auch nicht wirklich quantifizieren kann), da ich beispielsweise auch mal ein Glas oder zwei Alkohol beim Feiern trinke und nicht unbedingt alle Verpflichtungen im Islam erfülle (5x Beten pro Tag, Fasten etc.), aber so die Grundmessage meiner Religion meine ich verstanden zu haben und bin froh, mich auch an sie zu halten.
      Wie sagte mal ein weiser Mann: "Es gibt nur 2 Arten von Menschen auf der Welt. Gute Menschen, die Gutes tun und schlechte Menschen, die schlechtes tun"
      Ich bin komplett unreligiös, wurde nicht getauft, hatte keine Kommunion oder Konfirmation oder dergleichen. Meine Eltern ließen mir bei Ersterem die Wahl, da ich es ja immer noch nachholen kann und bezüglich der Konfirmation hatte ich kein Interesse – ich bin dann doch niemand, der nur auf das Geldgeschenk am Ende aus ist und sich nicht um die eigentlichen Hintergründe schert.

      Mein Vater ist eigentlich katholisch, meine Mutter evangelisch, aber beide sind schon lange aus der jeweiligen Kirche ausgetreten und haben auch selber keinen Glauben an Gott und wir haben auch keine Bibel im Haus. Von meinen Eltern ging also nie kirchlicher Einfluss aus, ich saß zwei Jahre den alternativlosen Religionsunterricht in der Schule ab, bis ich dann seit der 3. bis nunmehr 11. Klasse an „Nicht Religion“ oder „Werte und Normen“ teilnahm.

      Ich bekam also nie was sozusagen in die Wiege gelegt und zeigte zwar am spielerischen Unterricht Interesse, aber es Kind hat man ja für alles eine gesunde Neugier. Auch weiter kümmerte ich mich um keinerlei Religion. Natürlich wurden dann in WuN die Religionen oberflächlich behandelt, wie ich das für die allgemeine Bildung als notwendig befinde, aber das war’s.

      Der kürzlich, thematische Exkurs zum Thema „Entstehung des Menschen“ fand ich aber wiederum sehr interessant, in meiner Gruppe sollte man sich was aus „Genesis“ der Bibel ansehen. Da wurde mir mal wirklich klar, warum mir bereits so oft der Ratschlag begegnete, dass man sich das heilige Buch mal wirklich genau durchlesen sollte..

      Allgemein gesagt beschäftigte ich mich auch so gerne mit dem Thema das Atheismuses und fand das Buch „Wozu brauche ich einen Gott?“ sehr interessant, in dem Fiona Lorenz Interviews und Erzählungen von Menschen zusammentrug, die sich von der Kirche abgewandt haben. Es war ziemlich interessant, all diese verschiedenen Wege zu verfolgen.

      Schlussendlich sollte man sich die Fragen stellen: Warum halten so viele Menschen an Religionen jeglicher Art fest? Warum gibt es die nicht nur in unserem Kulturkreis, sondern warum haben sich auch die Aborigines im entlegenen Outback einem Glauben gewidmet? Weil alle Menschen in ihren Gedanken vieles eint. Die Suche nach einem Sinn, die Suche nach Halt, die Suche nach Hoffnung und noch vieles mehr.
      Die Gläubigen finden das in ihren Schriften, bei Gott, bei ihren Göttern, bei einer höheren Macht oder meinetwegen dem fliegenden Spaghettimonster. Letzteres Beispiel ist eines, was ich gerne anführe, wenn ich in einer Unterredung nicht allzu ernst bin. Natürlich kann ich nicht beweisen, dass es Gott nicht gibt. Aber kannst du beweisen, dass es das fliegende Spaghettimonster nicht gibt?
      Allerdings habe ich nichts gegen Gläubige. Jeder hat die Freiheit, sein Leben so gestalten, wie er möchte und vor allem daran zu glauben, an was er möchte. Auch wenn er von mir aus eine Teekanne anbetet.

      Abschließend möchte ich noch sagen, dass der Nicht-Glaube natürlich viele Lücken offenlässt, die sich einfach mit der Religion erklären können, wie z.B. das Sein nach dem Tod. Bin ich dann einfach weg? Existiere ich nicht mehr? Ist es schwarz, oder doch weiß? Die Aussicht auf ein Jenseits, das sich im Paradies befindet, ist dann doch schöner, aber man sollte nicht sein Leben für dieses Jenseits leben.
      Mit solchen doch unangenehmen Fragen muss man sich dann selber auseinander setzen. Aber ich finde, dass die Evolution uns nicht so einen großen und fähigen Verstand gegeben hat, dass wir uns alles vorschreiben lassen und jegliche Bedenken beiseiteschieben.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Kugawa“ ()

      pinki schrieb:

      Es ist wirklich schwierig für einen gebildeten Menschen an etwas zu glauben, dessen Existenz nicht zu 100% bewiesen ist, aber in diesem konkreten Fall muss ich sagen, dass mir die Indizien und Anzeichen reichen. Ich weiß nicht, wie es bei euch ist, aber mir sind im Leben schon unerklärliche Dinge über den Weg gelaufen, die man rational nicht begründen kann


      Deswegen heißt es ja "glauben" und nicht "wissen". Ich hatte ja weiter oben schon die provozierende Frage gestellt, ob DevilsClaw an Quantenphysik glaubt, auch wenn er nichts davon verstehen sollte. Im Endeffekt läuft es doch immer darauf hinaus, die "weißen Flecken" im eigenen Wissen mit Glauben und Vertrauen zu füllen.
      Das Verb "glauben" wird haupstächlich in drei Kontexten verwendet:
      "Ich glaube, meine Mama ist grad beim Tennis"
      "Ich glaube dir, dass du die Wahrheit sagst"
      "Ich glaube an Gott"
      Allen drei Situatiuonen ist gemeinsam, dass der Sprecher nicht genau weiß, was los ist. Genau wie du dem Arzt glauben musst, dass er die richtige Diagnose gestellt hat, kannst du auch glauben, dass die eine oder andere Religion der Wahrheit entspricht (oder auch, dass in deiner Teekanne die Erlösung der Welt liegt).

      Für mich sind es die "Zufälle" des Lebens, die mir immer wieder einen Hinweis darauf geben, dass da einen Gott gibt, der auch auf mich achtet. Bislang haben sich alle beschissenen Situationen (dabei mein ich jetzt die wirklich großen Situationen, nicht "nur" eine versiebte Schulaufgabe) irgendwie zum Guten gewendet und zwar meistens durch Sachen, für die ich gar nichts konnte, sondern eben "Zufälle".
      Das Wort "zufall" sagt ja auch nur, dass einem etwas zufällt, über denjenigen, der es fallen lässt, sagt es nichts aus.

      Kugawa schrieb:

      wie z.B. das Sein nach dem Tod

      Ich muss gestehen, dass ich diese Frage aber auch immer wieder ausklammere. Nicht weil ich Angst davor hätte, sondern, weil wir Menschen das Geheimnis des Todes sowieso niemals lüften und begreifen können. Ich hoffe mal, dass die Jenseitsvorstellungen meiner Religion stimmen, denn die sind echt nicht schlecht.
      Aber zu Lebzeiten kann ich eh nur mehr oder weniger konkret raten was passiert und versuchen mich darauf einzustellen.
      Wer in meinen Beiträgen rechtschreibfehler findet, darf sie übrigens behalten. Die kosten auch nichts.

      Allen drei Situatiuonen ist gemeinsam, dass der Sprecher nicht genau weiß, was los ist. Genau wie du dem Arzt glauben musst, dass er die richtige Diagnose gestellt hat, kannst du auch glauben, dass die eine oder andere Religion der Wahrheit entspricht (oder auch, dass in deiner Teekanne die Erlösung der Welt liegt).
      Dieser Vergleich hinkt aber. Beim Arzt kann ich üblicherweise von Berufserfahrung ausgehen oder zumindest vom Wissen, dass er in seinem Studium erworben hat. Selbst wenn ich dieses Wissen nicht teile, kann ich die Ergebnisse überprüfen, indem ich sehe, wie er andere Patienten heilt. Gerade bei jemandem der lange Arzt war, könnte ich mich also nicht mit hundertprozentiger Gewissheit darauf verlassen, dass er mich heilt oder korrekt diagnostiziert, aber ich weiß, dass er in der Vergangenheit nicht viele Fehler gemacht haben kann, sonst wäre er kein Arzt mehr. Beim Quantenphysiker ist es genauso, ich muss die Materie nicht verstehen, um seine Ergebnisse zu sehen und ich weiß, dass jemand ohne sein Wissen diese Ergebnisse nicht erzielen kann. Diese empirische Vergleichbarkeit erlaubt mir fundiertes Vertrauen.

      Eine solche Vergleichbarkeit ist bei Religionen objektiv nicht gegeben. Sicher sagen viele religiöse Menschen: "Diese Zufälle könnte es ohne einen oder mehrere Götter nicht geben" - doch woher wollen sie das wissen? Wir sind aktuell Teil eines Systems, in dem es ein oder mehrere göttliche(s) Wesen gibt oder nicht gibt, aber ohne ein zweites System können wir keinerlei Vergleiche anstellen. Da wir kein bewiesenermaßen gottloses System kennen, können wir unmöglich überprüfen, ob unsere Welt genau so ohne Gott existieren könnte. Deshalb gibt es, anders als beim Arzt oder Quantenphysiker, rein argumentativ keinen guten Grund, an die Existenz einer göttlichen Entität zu glauben.

      Natürlich haben religiöse Menschen trotzdem den besten aller Gründe - nämlich dass es ihnen persönlich hilft und inneren Frieden verschafft - auf ihrer Seite. Aber der Vergleich der Beweisbarkeit Gottes mit der Beweisbarkeit wissenschaftlicher Prinzipien ist falsch, denn diese Dinge bewegen sich auf einer gänzlich anderen Ebene.
      Ich finde es jedenfalls immer sehr unnatürlich von einem Gott zu sprechen. Weißer Mann mit Bart, Frau, oder wie sich das die Leute auch immer vorstellen. Man weiß überhaupt nicht was nach dem Leben hier kommt, oder ob noch etwas kommt. Wenn etwas kommen sollte, weiß man auch nicht was. Ob da ein Gott ist, oder nicht, oder sonst etwas.
      Die Vorstellung das es ein großes übergeordnetes Wesen gibt, das sich das alles hier ausgedacht haben soll entspricht einfach nicht meiner Vorstellung. Denn wenn es so einen Gott geben sollte, woher kommt dann der wieder? Und das kann man dann beliebig fortsetzen.
      Ich denke, wenn es etwas gibt, dann wird das nicht so einfach zu verstehen und schon gar nicht an irgendeiner großen unsichtbaren Macht fest zu machen sein. Auch glaube ich das im Leben jeder seine eigene Wahrheit finden muss, mit der er sein Leben leben kann. Denn auf jedes Menschen Lebensweg liegen oft harte Schicksale, die einen früher oder später erreichen. Irgendwie muss man mit ihnen umgehen und ich glaube nun mal, das es einem da weniger weiterhilft das Leben nur rein wissenschaftlich und biologisch zu sehen. Ich glaube auch das es sowas wie eine Seele gibt. Einfach aus meinen bisherigen Erlebnissen und Erfahrungen. Auch das mit den Zufällen... manchmal passieren Sachen, da ist man schon geneigt nicht mehr an einfache Zufälle zu glauben, so gut es wohl die Wissenschaft auch erklären könnte. Wie geschrieben, was wirklich mal mit uns nach dem Tod passiert werden wir alle sehen wenn es soweit ist. Ich finde es einfach nur überheblich wenn jemand meint, er weiß genau, dass nach dem Tod nichts mehr kommt, oder er wisse genau, was nach dem Tod wohl kommt. Das kann keiner wissen. Jeder kann nur seine eigene Wahrheit im Leben für sich finden und dazu muss man nicht religiös sein.

      The truth is still out there!!!
      @Corab: Natürlich ist der Vergleich nicht der Weisheit letzter Schluss. Ich wollte damit ausdrücken, dass bei Glauben immer Vertrauen eine große Rolle spielt. Sei es das Vertrauen in die Fähigkeiten des Arztes oder in den Inhalt einer religiösen Schrift. Ob sich dieses Vertrauen objektiv nachvollziehbar ist spielt dabei für mich keine Rolle.

      wutz1880 schrieb:

      Ich finde es jedenfalls immer sehr unnatürlich von einem Gott zu sprechen


      Seit Anbeginn der Menschheit gibt es Religionen. Man kann also durchaus sagen, es sei unnatürlich an KEINEN Gott zu glauben. Man kann aber auch sagen, die Menschheit hat sich in der Zwischenzeit so weit entwickelt, dass sie in der Lage ist, auch ohne Gott eine vernünftige Moral zu entwickeln ;-)

      In jeden Fall stimme ich Wutz zu: Jeder muss die Frage, ob er/sie an Gott glaubt für sich selber beantworten (und die entsprechenden Konsequenzen ziehen). Wichtig ist, andere nicht zu Verurteilen, weil sie sich anders entschieden haben als man selber.
      Wer in meinen Beiträgen rechtschreibfehler findet, darf sie übrigens behalten. Die kosten auch nichts.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Tripple_U“ ()

      Puzzle schrieb:

      Ich bin wohl das, was man als "atheistischen Agnostiker" (oder als "agnostischen Atheisten"? XD) bezeichnen würde. Persönlich glaube ich an nichts Übernatürliches und/oder an einen oder mehrere Götter nach Wahl. Allerdings habe ich natürlich keine Beweise für mein Denken oder stichhaltige Gegenbeweise für die Behauptung, dass es gottgleiche Entitäten geben könnte. Daher maße ich mich da keiner Aussage an [...]
      Äh, wieso bist du dann ein atheistischer Agnostiker? Ist deine beschriebene Situation nicht so ziemlich die Definition eines Agnostikers, ohne atheistischem Adjektiv?^^
      Let the bullets rain.

      Puzzle schrieb:

      Meines Erachtens nach hätten sie eventuell garkeinen so großen Erfolg gehabt, wenn es in der Berichterstattung nicht dermaßen ausgeschlachtet geworden wäre

      Ja, ja die lieben Medien, vor allem das Rechtspopulistische Hetzblatt mit 4 Buchstaben.

      *Ironie aus*
      Du sprichst da wirklich etwas Wichtiges an, was auch zu diesem Thread gehört: Wie gehe ich mit Menschen um, die nicht meine religiösen Ansichten teilen?
      Ich findes es wirklich traurig, wie die Mehrheit in Deutschland mit dem Islam umgeht. Ich habe vor einigen Jahren von einer wissenschaftlich fundierten Umfrage gelesen, laut der 76% der Deutschen es befürworten, die Rechte des Islams als Religionsgemeinschaft einzuschränken. Und das schlimme ist, dass die meisten von denen und/oder den PEGIDA-Idioten, die das christliche Abendland bedroht sehen höchstwahrscheinlich selber selber schon lange mehr keine Kirche mehr von Innen gesehen haben und selber nicht wirklich die christlichen Werte wie Nächstenliebe und Friedfertigkeit leben.
      Wer in meinen Beiträgen rechtschreibfehler findet, darf sie übrigens behalten. Die kosten auch nichts.

      Ich würde auch sagen, das die meisten Pegida Sympatisanten bestimmt keine streng gläubigen Christen sind. Seien wir doch mal ehrlich, die sind mittlerweile auch nicht mehr die Mehrheit.
      Es gibt eine große Gruppe Leute, denen die Kirche eigentlich egal ist und gerne aus ihr austreten möchten. Aber weil sie für die Caritas oder die Diakonie arbeiten fällt das schon mal flach, da man sonst ein Problem hat mit seiner Arbeitsstelle. Einige dieser kirchlichen Vereine machen ja schon Terz wenn Leute sich scheiden lassen oder dann auch wieder heiraten wollen. Diese Leute müssen schon bald umdenken, da es in allen sozialen Bereichen Fachkräftemangel besteht. Da kann man nur froh sein, wenn man eine gute Fachkraft findet und einstellen kann. Egal ob jene geschieden ist, eine andere Religion hat, oder gar aus der Kirche ausgetreten ist. Ansonsten müssen sie ihren Laden halt in Zukunft schließen.
      Aktuell finde ich ja das Urteil des Bundesverfassungsgericht gut, das moslemische Lehrerinnen im Unterricht ihr Kopftuch auflassen können. So bekommen Kinder doch eher einen Bezug zu den vielfältigen Religionen, weil da bestimmt mal irgendwer danach fragt, warum die Lehrerin ein Kopftuch trägt. Wobei das Urteil ja schon wieder einschließt, dass das Kopftuch runter muss, wenn der Frieden an der Schule dadurch gestört wird. Das kann man dann ja auch wieder weit auslegen. Es gibt immer irgendwo irgendwelche Menschen, die sich durch die harmlosesten Dinge in ihrer persönlichen Freiheit eingeschränkt fühlen.

      Und noch eine Sache zur Glaubenswahl.
      Die meisten Menschen lassen ihren Nachwuchs ja taufen. Aber eben nicht, weil sie total gläubig sind und hinter der Sache stehen. Eher weil sie sonst von den restlichen Leuten in ihrer Umgebung dumm angeschaut werden würden und somit ihr Kind zum Außenseiter machen.
      Der Junge von einer guten Freundin kommt jetzt zur Kommunion und in den vorhergehenden Gruppenstunden (welche bei einer Mutter der Wahl zuhause stattfindet) müssen locker 3 Seiten katholische Glaubenslehre abgehandelt werden, innerhalb von 1, 5 h. Ein ganzer Samstag ging drauf nur für eine Versammlung, bei der es sich um das Beichten drehte. Und noch so einiges anderes, was zeitraubend ist, da noch viele Schulpflichten zu erledigen sind.
      Würde sie aber ihren Sohn nicht zur Kommunion schicken, wären sie wahrscheinlich ziemlich die Aussätzigen in ihrer Umgebung, also machen es natürlich alle.
      Und das genau ist das Mittel der Kirche, die Leute nicht durch Überzeugung zu ihrer Religion zu bringen, sondern ganz einfach durch Gruppenzwang.
      Alle Eltern haben meinen Respekt verdient, wenn sie ihr Kind nicht taufen lassen und es dann selbst mit 14 Jahren (glaube ich) entscheiden lassen was es denn für eine Religion ergreifen möchte, und ob überhaupt. Denn gut angesehen werden sie wohl von ihren Umfeld nicht unbedingt werden. Vor allem in den ländlichen Regionen. (und da denke ich das dies in ganz Deutschland so ist.) Diese Werte, die das Christentum anscheinend für sich gebucht hat, da es ja immer heißt hier in Deutschland gelten die "christlichen Werte", können auch ohne die Kirche von den Eltern und der Schule vermittelt werden. Denn auch wer kein Christ ist, ist nicht schlussendlich gleich ein Barbar.
      Jedenfalls sollte sich die Kirche mal was anderes überlegen, denn so seine Mitglieder rekrutieren zu müssen ist irgendwie ziemlich arm und hat meiner Meinung nach schon Sekten ähnliche Züge.

      The truth is still out there!!!

      wutz1880 schrieb:

      Und das genau ist das Mittel der Kirche, die Leute nicht durch Überzeugung zu ihrer Religion zu bringen, sondern ganz einfach durch Gruppenzwang.


      Ich glaube nicht, dass die Kirchen bewusst diesen Gruppenzwang schüren. Wahrscheinlich sind sie sich dieses Drucks gar nicht bewusst (auch wenn das nicht unbedingt für sie spricht).
      Meiner Meinung nach gibt es in vielen Teilen Deutschlands eine Art "Kultur-Christentum". Das heißt die einzelnen Personen sind nicht unbedingt aus religiöser Überzeugung dabei und gehen auch nicht regelmäßig in die Kirchen, aber für sie gehören die ungefähren Inhalte der Bibel (z.B. das Gleichnis vom verlorenen Sohn) zur Identität und sie leben auch die so genannten "christlichen Werte" mehr oder weniger Konsequent.
      Ich will dieses Verhalten auch gar nicht werten. Für mich ist es letztendlich egal, woraus sich die Kulturelle Identität eines Menschen speist, wichtig ist nur, dass man dabei offen Andersdenkenden gegenüber bleibt und sich bewusst ist, dass man kein Glaubensbekenntnis, sondern eine Kultur lebt.
      Wer in meinen Beiträgen rechtschreibfehler findet, darf sie übrigens behalten. Die kosten auch nichts.

      Ich war bis zu meinem 18. Lebensjahr römisch-katholisch - aber nur auf dem Papier. Danach bin ich aus der Kirche ausgetreten und war eine Zeit lang ohne Bekenntnis. Schließlich habe ich mich aber zum Buddhismus bekannt und in Österreich ist es möglich, sich offiziell mit dem Glauben eintragen zu lassen. Wobei Buddhismus für mich weniger eine Religion sondern mehr eine Philosophie ist.
      "A thief is a creative artist who takes his prey in style... But a
      detective is nothing more than a critic, who follows our footsteps." -
      Kaito Kid